16. April 2021| Keramik

Keramikporträt der Keramikwerkstatt Meyer & Matschke

Wer kennt nicht die bunt illustrierten Tassen, Schalen und Teller aus der Keramikwerkstatt Meyer & Matschke in Höhr-Grenzhausen! Im Werkstattgespräch mit den Beiden wird die Leidenschaft zur Keramik und besonders zum Geschirr deutlich. Wie ist diese außergewöhnliche Zusammenarbeit entstanden, wer macht was gerne und wer nicht? Wir haben die beiden Frauen in ihrer Werkstatt in der Brunnenstraße besucht:

Portät von Maria Meyer und Ute Matschke

Ute Matschke und Maria Meyer in ihrer Werkstatt.

Ihr lebt und arbeitet seit 25 Jahren in Höhr-Grenzhausen, was hat Euch dazu bewegt hierher zu kommen, aber auch hierzubleiben?

Maria: Die Keramik bzw. die Aus- und Weiterbildung hat uns bewegt hierher zu kommen. In der Fachschulzeit entstand schon der Wunsch ein qualitativ hochwertiges Geschirr zu machen und eine gemeinsame Werkstatt zu suchen.

Warum in Höhr-Grenzhausen?

Maria: Da man immer wieder gehört hat, hier wird eine Werkstatt aufgelöst, da wird eine frei. Von älteren Kollegen wussten wir, dass es relativ einfach ist hier neu anzufangen – Ofenkapazitäten, Material und Wissen waren vorort vorhanden.

 

Wie seid Ihr zum ersten Mal mit Keramik in Berührung gekommen?

Ute: Mit 14, meine Tante, Drechslerin und aus einer Künstlerfamilie kommend, hat mich zu einem Töpfer mitgenommen. Diese Lebensweise hat mich berührt. So konnte die Klassenlehrerin in´s Klassenbuch schreiben Ute möchte Töpferin werden – lacht – bin dann aber gar keine Töpferin geworden.

Maria: Ich war auf der Suche nach einer Praktikumsstelle, weil ich Kunst studieren wollte, genauer Malerei … in Mainz. Dort habe ich auch eine Mappe eingereicht. Sie haben mich zunächst abgelehnt, mit der Aufforderung ich solle ein Praktikum vorweisen. Also war ich auf der Suche nach einem Praktikumsplatz und bin so zur einzigen Töpferei in Trier gekommen – verrückterweise suchten diese gerade einen Lehrling. Naja, dann dachte ich, eh ich nun ein ganzes Jahr bis zur nächsten Mappen-Einreichung überbrücke mache ich das Praktikum … und dann war´s eine Lehre.

Das heißt die Mappe wurde nie eingereicht?

Nee… da bin ich dann geblieben. Bis dahin wusste ich noch nicht einmal, dass es eine Keramikwerkstatt in Trier gibt. Mein damaliger Freund hatte gerade seine Meisterprüfung an der Handwerkskammer gemacht und wusste um eingetragene Handwerksbetriebe. Die Wahl lag zwischen Domschreinerei, also Restauration, der Töpferei und noch etwas.

Also war die Keramik Zufall?

Ja, das war totaler Zufall!

 

Wo habt Ihr Eure Ausbildung gemacht?

Ute: In Meißen zur Keramikmalerin.

Zur Porzellanmalerin in Meißen?

Nein, bei Meissen-Keramik. Doch prägender waren die anschließenden zweieinhalb Jahre am Theater in der Werkstatt der Requisite.

Maria: Ich in der Töpferei in Trier bei Elke Gerber Ecker.

 

Warum Keramik?

Ute: Naja, ich wollte ja mit 14 Töpfer werden und bin aber irgendwie in die Malschiene geraten – was dann auch besser gepasst hat.

Man könnte doch ebenso auf etwas anderes malen, oder?

Das hat sich irgendwie alles so entwickelt und dann ist es vielleicht auch egal worauf man malt…. lacht …. da muss man länger drüber nachdenken…. auch weil parallel der Wunsch vorhanden war, ein gutes Geschirr zu machen.

Das wusstest Ihr damals schon?

Ute: Ja, diesen Wunsch gab es schon immer – dass es ein gut funktionierendes, qualitativ hochwertiges Geschirr gibt. Beides ließ sich dann gut miteinander kombinieren.

Maria läßt Ihre Formen­vielfalt hauptsächlich auf der Töpfescheibe entstehen und kreiert so unglaublich perfekte Gefäße aller Art.

Maria Meyer, Keramikerin aus Höhr-Grenzhausen, in ihrer Werkstatt

Nun möchte ich noch eine Frage einschieben, warum denn Geschirr?

Maria: Weil man damit lebt, uns hat schon immer der tägliche Gebrauch gereizt.

Ute: Vieles fügt sich einfach zusammen, ich habe schon immer gerne gekocht… es hat sich alles parallel entwickelt.

 

Seid Ihr Keramiker*innen oder Künstler*innen?

Ute: Keramikkünstler*innen.

Maria: Ich denke, ich bin richtige Handwerkerin, ich hätte auch Schreinerin werden können.

Ute: In jedem Künstler steckt auch ein Handwerker

 

Was bildet den Schwerpunkt in Eurer Arbeit? Was ist Euch dabei besonders wichtig?

Maria: Der Gebrauchswert von Geschirr und die Benutzbarkeit, aber auch die Vielfältigkeit – formal und gestalterisch.

Ute: Ich bin froh, dass es für mich diese Leinwand gibt auf der ich mich ausdrücken kann. Dadurch konnten wir einen ganz eigenen Stil entwickeln.

 

Welches Ziel verfolgt Ihr?

Maria: Natürlich davon leben zu können, aber das ist nicht der Antrieb. Der Antrieb ist die Überzeugung der Freude am Tun.

Ute: Die Freude am Entstehungsprozess.

Maria: Die heutige Generation denke ich, kommt gar nicht mehr mit dem Material in Berührung und das sehe ich auch als Auftrag. Dass sie die Haptik eines handgemachten Geschirrs vermittelt bekommen und dass sie vielleicht spüren, dass es besser schmeckt, als von einem Plastikteller oder einem Industriegeschirr. Ich möchte das Gefühl für Handwerk und Material vermitteln.

Für Qualität?

Ute: Ja, das gibt dem ganzen Leben so etwas wie Wärme und einen Wert.

Maria: Handgemachte Dinge, nicht nur Keramik, sind immer beseelt, sie haben immer eine Aura.

Es steht oft eine Geschichte dahinter, oder?

Ute: Ja, der Mensch, der es gemacht hat spielt auch immer eine Rolle dabei.

 

Was macht Ihr am liebsten, welcher Arbeitsabschnitt hat für Euch die größte Bedeutung?

Maria: Ich mag die Vollendung so etwas wie Abdrehen oder Henkeln.

Ah, ich hätte natürlich drehen gedacht?

Ich liebe es, wenn es da so lederhart im Regal steht.

Ute: Mit dem Pinsel und Farben zu spielen, sowie die Malerei mit gekonnten Strichen umsetzen.

 

Was macht Ihr nicht so gerne?

Ute: Seit Corona sage ich Marktfahren.

Maria: Die Abwechslung ist mir wichtig. Nur Abdrehen, nur Henkeln, nur Drehen ist eintönig. Ich brauche die Abwechslung innerhalb des Tages, mal an der Maschine, mal im Sitzen, mal im Stehen arbeiten …. aber 100 Henkel auf einmal sind furchtbar!

 

Was ist Euer wichtigstes Werkzeug, was benutzt Ihr am häufigsten?

Ute: Pinsel, Hand und Herz!

Maria: Was ist das denn für eine Frage? Töpferscheibe? Tonschneider! Lachen…

Ute: Ponal ist auch wichtig und heißes Wasser…. Pinsel, Ponal & heißes Wasser!

Maria: Von welcher Werkstatt sprechen wir? Alles lacht.
Naja, eigentlich hat jeder Prozess sein eigenes Lieblingswerkzeug, daher kann man gar nicht eins nennen. Ich habe eine Lieblingsschlinge, ich habe ein Lieblingsmesser, ich habe eine Lieblingsschiene… wenn die weg sind, kann ich nicht mehr arbeiten.

Oh, das kenne ich!

Ute Matschke, Keramikerin aus Höhr-Grenzhausen in ihrer Werkstatt

Ute tupft, malt, stem­pelt, koloriert und bringt damit eine un­verwechselbar, bunt illustrierte Bilderwelt auf die von Maria entwickelten Formen.

Wie lange arbeitet Ihr an einem Stück?

Ute: 25 Jahre.

Das hat Andreas Hinder auch gesagt!

Lachen.

Ute: Woher stammt noch mal diese Antwort, hat das nicht ein japanischer Keramiker gesagt? Oder Picasso?

Maria: Das sagen alle Künstler.

Aber das fragen auch viele Menschen.

Maria: Ja, immer. Ich glaube wir haben es mal ausgerechnet, wir brauchen für eine Tasse ungefähr eine halbe Stunde. Ich weiß nicht mehr genau, ob wir alle Handgriffe mit eingerechnet haben. In jedem Fall ist das die Arbeitszeit vom Drehen, dem Malen bis hin zum Brennen.

Ute: Naja, wir haben aber nun die 25 Jahre gebraucht, um das in einer halben Stunde hinzubekommen.

Maria: Ja, diese Antwort ist irgendwie ehrlicher.

 

Bei wieviel C° brennst Ihr Eure Stücke?

1260° reduzierend im Gasofen

 

Warum sollte jemand Eure Keramik kaufen?

Ute: Weil sie super zu gebrauchen ist und beseelt.

 

Was treibt Euch zu neuen Ideen an?

Maria: Was uns überrascht, dass im Arbeitsfluss immer wieder neue Ideen entstehen.

Ute: Ja, das Tun ist es. Einfach das immerwährende Tun bringt eine Entwicklung mit sich.

 

Könnt Ihr davon leben?

zögern…

Maria: Ja

Ute: Ja?

Maria: Ja, wir leben ja davon.

Ute: Na gut.

Lachen

 

Was macht für Euch gute Keramik aus?

Maria: Das ist eine schwierige Frage, woran macht man das fest? Ich finde Monika Debus Sachen ganz toll, die haben eine Wirkung, weil sie ein Gefühl auslösen, oder eine große Anziehung haben. Egal, ob die Arbeiten Gebrauchskeramik oder Kunst sind, wenn sie ansprechen und überzeugend sind, dann sind sie immer gut. Es kann etwas ganz Kleines oder auch etwas Großes sein.

Ute: Stimmt und wenn man sieht, derjenige kann es einfach.

Also Professionalität?

Ute: Ja, das da ein großes handwerkliches Können dahinter steht.

Krüge, Teller, Tassen….

Keramikgeschirr aus der Werksatt Meyer & Matschke. Keramikwerstatt Kaas & Heger beteiligen sich an den Europäische Tage des Kunsthandwerks

Könntest  Ihr Euch auch vorstellen etwas anderes zu machen und wenn was?

Maria: Das habe ich eingangs schon gesagt, ich könnte mir auch Schreinerin vorstellen.

Auch nach so vielen Jahren Keramik?

Maria: Nee, da bin ich zu perfektionistisch. Mir würde die Zeit nicht mehr reichen, die ich zur Verfügung habe. Lebenszeit und Kraft, um so gut werden zu können wie ich möchte. 

Ute: Es ist alles gut wie es ist, auch wenn mich natürlich viele andere Dinge interessieren, wie Garten, Kochen und und und

 

Wo findet man Eure Keramik?

Maria: Hier im Werkstattladen in der Brunnenstraße, auf Sylt, in Holland… in Läden und auf ausgesuchten Keramikmärkten, auf unserer Webseite und Instagram.

 

Was bedeutet der Standort Höhr-Grenzhausen für Euch?

Ute: Die Gemeinschaft mit den Kollegen

Maria: Das kollegiale Miteinander im Arbeitsumfeld, glaube ich, ist unvergleichlich. Das finde ich ganz toll.

Ute: Diese Nische, die hier in der Brunnenstraße entstanden ist, mit den Menschen und der Natur rundum, ist zu einem Zuhause geworden.

Maria: Das Verstanden werden.

Auf die Keramik bezogen? Das heißt,  wenn es die Keramik nicht gegeben hätte oder geben würde, wäre man vielleicht nicht hier geblieben?

Maria: Ja genau.