Ausstellung Gertraud Möhwald

Ausstellung: GERTRAUD MÖHWALD

Keramik

24. Juli 2022 – 26. Februar 2023 im Keramikmuseum Westerwald - Höhr-Grenzhausen

Im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz unter dem diesjährigen Motto „Kompass Europa: Ostwind“, stellt das Keramikmuseum Westerwald Werke der ostdeutschen Künstlerin Gertraud Möhwald (1929 – 2002) aus.
Möhwald war eine bahnbrechende Künstlerin der zeitgenössischen Keramik. In der DDR hoch anerkannt, war sie vor 1989 in Westdeutschland nur wenigen ein Begriff. Sie studierte und unterrichtete lange Zeit an der Burg Giebichenstein in Halle, die zusammen mit Höhr-Grenzhausen eine der größten keramischen Bildungsstätten in Deutschland darstellt. Kurz nach der Wende erhielt sie 1991 ein Stipendium für das Künstlerhaus Edenkoben.

Plakat: Ausstellung Gertraud Möhwald - Foto: Articus-Röttgen
Plakat: Ausstellung Gertraud Möhwald - Foto: Articus-Röttgen

Die Bauhaus-Werkstatt und die daraus folgende Lehre unter Gerhard Marcks, sowie auch maßgeblich Marguerite Friedlaender, prägten die hallesche Schule in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Gertraud Möhwald nahm diese Schlüsselposition nach 1970 ein. Diese beiden Künstlerinnen sind als Erneuerinnen der keramischen Ausbildung zu betrachten. Friedlaender setzte Maßstäbe für die industrielle Formgestaltung der Keramik. Möhwald muss als “Godmother” der figürlichen Plastik in der zeitgenössischen Keramikkunst bezeichnet werden und prägte mit ihrer unorthodoxen Herangehensweise die heutige Generation.

In den monumentalen Plastiken von Gertraud Möhwald stand, wie bei vielen Bildhauer:innen in der DDR, der menschliche Körper im Mittelpunkt. Die Lehre in der Keramikabteilung der Burg Giebichenstein fokussierte sich auf den handwerklichen und modularen Aufbau des Gefäßes. Möhwald studierte zuerst Bildhauerei in Dresden und Halle und wechselte nach der Geburt ihrer Kinder zur Keramik. Stand am Anfang noch die Gefäßkeramik im Zentrum ihres Interesses, so wandte sie sich später der menschlichen Figur zu. Möhwald baute ihre Köpfe, Torsi und Hände aus Scherben und anderen Fundstücken zusammen. Ihre Figuren stellen die universellen Fragen nach Leben und Tod, Heilung und Zerstörung, Vergangenheit und Erinnerung. So deutet sie an, dass nicht die perfekt gestaltete, sondern eher die werdende und brüchige Form ihr Interesse gilt.

Sie selbst sagte 1999 dazu:
„… es ist so, dass Erinnerung an das Gewesene für mich ganz wichtig ist. Dass man Erinnerungen sichtbar lesen soll, beispielsweise in Dresden. Dass da alles so vollkommen vom Boden verschwunden ist, das nimmt mir wirklich den Bezug zu der Stadt, wie sie gewesen ist. Alles wird wieder so heil. Und es ist nicht heil. Man soll auch nicht denken, dass, wenn man etwas oberflächlich wieder in Ordnung bringt, das andere nicht gewesen ist. Das ist aber die menschliche Natur, die nicht erinnert werden will an das, was sie verunsichert, nicht an Verletzungen.“

Eröffnung am Samstag, dem 23. Juli, um 18 Uhr: Helmut Brade gibt Einblicke in das Werk, Konrad Möhwald spielt am Klavier und der Schriftsteller Clemens Meyer erinnert sich an seine Großmutter.

Rahmenprogramm:
Sonderführung für Förderkreismitglieder: Mittwoch, den 10.8.2022 um 16 Uhr
Öffentliche Sonderführung: Freitag, den 30.9.2022 / Freitag, den 13.1.2023 um jeweils 16 Uhr (kostenlos zzgl. Eintritt)
Vortrag Frau Prof. Dr. Dr. h.c. Aleida Assmann: „Kann man die Vergangenheit reparieren?“ Freitag, den 18.11.2022 um 19 Uhr (7 Euro an der Abendkasse)

Für alle Veranstaltungen wird um Anmeldung gebeten.

 

Keramikmuseum Westerwald

Deutsche Sammlung für historische und zeitgenössische Keramik
Lindenstraße 13
D – 56203 Höhr-Grenzhausen

Tel.: +49 – (0) 2624 94 60 10
Fax: +49 – (0) 2624 94 60 120

E-Mail:
Web: www.keramikmuseum.de

Museumsleitung: Dr. Nele van Wieringen


Keramik-Workshops in Höhr-Grenzhausen

Keramik-Workshops in Höhr-Grenzhausen

Keramik

Mehr Keramik geht nicht!

Lust auf kreatives Arbeiten? Mal abschalten, raus aus dem Alltag und unter professioneller Anleitung schöne Dinge mit den Händen erschaffen? Allein, zu zweit oder in der Gruppe ein ganzes Wochenende miteinander verbringen, abtauchen und sich eine ordentliche Portion Inspiration abholen – kein Problem! Höhr-Grenzhausen bietet die einmalige Möglichkeit an einer ganzen Reihe von vielseitigen und fachkundigen Keramik-Workshops teilzunehmen. Durchgeführt werden die Kurse von ortsansässigen Keramiker*innen oder ausgesuchten Gastdozent*innen, wir haben hier verschiede Angebote zusammengestellt. Weitere Informationen zu den Konditionen und Anmeldeverfahren finden sich unter den Verlinkungen der jeweiligen Veranstalter.

Drehkurse unter professioneller Anleitung

Keramik-Workshops in Höhr-Grenzhausen

KERAMIK-WORKSHOPS DER KERAMIKGRUPPE GRENZHAUSEN

Get the feeling!

Haben Sie schon Ton in der Hand gehabt? Dieses schöne, weiche, plastische Material, mit dem man (fast) alles formen kann, was man möchte? Hier in Höhr-Grenzhausen haben Sie die Gelegenheit dazu, und viele, die es einmal probiert haben kommen nicht mehr davon los. Es kann wirklich süchtig machen!
Zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst , summt es in der Brunnenstrasse wie in einem Bienenhaus. Seit 10 Jahren kommen Keramikenthusiasten aus ganz Deutschland, aus der Schweiz, Österreich, Belgien und Holland  für ein ganzes Wochenende zu den Workshops der Keramikgruppe Grenzhausen und deren Gästen.

Porzellan, Salzbrand, Drehen an der Töpferscheibe, das Aufbauen großer Gefäße, Akt-und Kopfmodellieren, verschiedene Oberflächenbearbeitungen – alles was das Keramikerherz begehrt, wird hier von den Profis vermittelt. Und die sind über die Grenzen hinaus bekannt für Ihre keramischen Arbeiten, haben diverse Preise gewonnen und sind in zahlreichen Museen und Sammlungen vertreten.

Es ist eine einmalige Gelegenheit selbst in den Ateliers der Künstler zu arbeiten, Fragen zu stellen und eine Unmenge an Eindrücken und Wissen mit nach Hause zu nehmen.  Nebenbei lernt man noch viele Menschen kennen, die auch die Keramik für sich entdeckt haben und in gern in kreativer Runde zusammenarbeiten.

Abgerundet wird das Workshop Programm durch ein gemeinsames Abendessen am Freitag.
Viele der Teilnehmer nutzen die Gelegenheit für einen Kurzurlaub im Westerwald, besuchen das Museum und decken sich mit Ton und Rohstoffen in den den einschlägigen Keramikbedarfsläden ganz in der Nähe ein.

Kurse finden statt: Fr.15-18 Uhr, Sa.10-18 Uhr, So.10-15 Uhr.

Termine 2022

Susanne Altzweig, Keramikerin aus Höhr-Grenzhausen dekoriert eine Keramikschale.

30.09. – 02.10.2022

Susanne Altzweig - Engoben und ihre Anwendung
Petra Bittl - Bildobjekte in Pate-de-Verre/Glas
Joachim Lambrecht - Kopfmodellieren

Martin Goerg

07. – 09.10.2022

Martin Goerg - Große Gefäße aufbauen
Maria Meyer - Vom Zauber der wachsenden Form
Dorothee Wenz - Gebaute Formen aus eingefärbtem Ton

KERAMIK-WORKSHOPS VON UTE MATSCHKE

Malerisch-Grafisch in Glasur

Gemeinsam mit Ihnen möchte ich die Freude am zeichnerischen, malerischen Geschehen wecken und vertiefen. Dazu zeige ich Schritt für Schritt diverse Techniken für die Inglasurmalerei, wie Umgang mit Pinsel, Ritzen, Schablonen und Schwammstempeln. Spannend könnte zusätzlich das Verwenden des sogenannten Oxidstiftes werden.

Über einen spielerischen Umgang können Sie Ihre eigene Stimme finden und die Kreativität entfalten. Man braucht keine Vorkenntnisse. Sie sollten gerne experimentieren und den malerischen Prozess mögen. Meine Begeisterung für das illustratorische Arbeiten möchte ich in den Kurs mit einfließen lassen.

Alle Werkzeuge stehen zur Verfügung oder erstellen wir während des Kurses. Bringen Sie gern weiche Pinsel mit, am besten Fehhaarpinsel in verschiedenen Größen und, wenn vorhanden -eigene roh gebrannte Objekte, Gefäße aus hellem Steinzeugton.Das entwickelte Werk kann am Ende des Kurses vor Ort gebrannt.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen und ungezwungen der eigenen Stimme zu folgen.

Termine 2022

Illustration auf Keramik

15.07. - 17.07. und 22.07. - 24.07.

Ute Matschke - Malerisch-Grafisch in Glasur

KERAMIK-WORKSHOPS VON ANDREAS HINDER

Die keramische Tierplastik

Seit 1994 fertige ich hauptberuflich keramische (Tier-) Plastiken in meiner Werksatt. Diese werden aus grob schamottiertem Steinzeugton frei aufgebaut, mit vielfältigen Oberflächenstrukturen versehen und anschließend mit Porzellanengobe bemalt. So entstehen Klein- und Großplastiken für den Innenbereich oder frostsichere Skulpturen für den Außenbereich.

Während des Kurses möchte ich meine praktischen Erfahrungen des täglichen Modellierens weitergeben. Tipps und Kniffe zum leichten Aufbauen einer Figur, einer abstrakten Plastik oder eines Reliefs sind ebenso Inhalt, wie die Suche nach der sinnvollen Form und nicht zuletzt, deren Oberflächengestaltung.

Skizzen oder kleine Modelle zum eigenen Gestaltungsvorhaben können gerne mitgebracht werden! Ziel ist es, jede/r TeilnehmerIn bei der Realisierung der eigenen Arbeit zu unterstützen.

Termine 2022

modellieren einer keramischen Tierskulptur

29.9. - 02.10. und 28.10. - 30.10.

Andreas Hinder - Die keramische Tierplastik
Hinweis, alle Kurse bereits ausgebucht (Warteliste möglich)

KERAMIK-WORKSHOPS VON ARMIN SKIRDE

Drehen an der Töpferscheibe

Der Kurs ist sowohl für Anfänger als auch Fortgeschrittene geeignet. Für Jeden steht eine Töpferscheibe bereit.
Die Teilnehmer werden alle an Ihrem Kenntnisstand abgeholt und individuell betreut. Der Unterricht
beginnt mit einer kurzen theoretischen Einführung. Geübt wird das Ton schlagen, Zentrieren,
Aufbrechen, Hochziehen und Abdrehen. Der Ton und Arbeitswerkzeuge werden bereitgestellt.

Wer seine Keramik brennen möchte, kann dies für einen kleinen Aufpreis (Material und Energiekosten) machen lassen.
Die Kurgebühr beinhaltet außerdem Getränke und Knabbereien. Am Freitagabend findet in einem
nahegelegen Restaurant ein gemeinsames Essen statt (im Preis inbegriffen!).

Termine 2022

© janos wlachopulos

29.10. - 31.10. und 18.11. - 20.11.

Armin Skirde - Drehen an der Töpferscheibe

KERAMIK-WORKSHOPS DER WERKSTATTGEMEINSCHAFT CERAMIX

Termine 2022

Susi Schmidt - die Hausfrau

24.09. - 25.09.2022

Die HausFrau / Susi Schmidt - Zwei Tage Durchdrehen

Grit Uhlemann in Ihrer Werkstattt

04. – 06.11.2022

Grit Uhlemann - Glasurkurs

PROTON WORKSHOPS IM KERAMIKMUSEUM

Keramik

– ein Wort, tausend Möglichkeiten und unglaublich viel Raum für Kreativität. Die Vielfalt macht den Reiz aus und genau das macht proTON-Keramikworkshops besonders. Jedes Jahr läd Julia Saffer, Keramikerin und das Gesicht hinter proTON, 14-18 Keramik-Profis aus aller Welt ein ihr Wissen weiterzugeben.
Oberflächengestaltung, Glasurtentwicklung, Modellieren, Drehen an der Töpferscheibe, Drucktechniken, Brenntechniken, Formenbau – zu jedem Thema ein Angebot unter professioneller Anleitung. Und das alles auch noch an einem einzigartigen Ort – im Keramikmuseum Westerwald in Höhr-Grenzhausen, einem der größten Keramikmuseen in ganz Europa.

Während der Kurse ist nicht nur für die fachlich kompetente Betreuung gesorgt, auch um kulinarische Bedürfnisse wird sich gekümmert – Snacks, Getränke, Mittagessen an allen Tagen. Ein kleines All-Inklusiv und Rundum-sorglos-Paket sozusagen, sodass sich alle Teilnehmer ganz und gar auf ihr keramisches Schaffen fokussieren dürfen.
Lust mitzumachen? Dann los!

Termine 2022

3.6. - 06.06.2022

Terry Davies (UK / IT) - Papierofenbrand XXL

UTE NAUE-MÜLLER

24. - 26.06.2022

Ute Naue-Müller - Technik-Mix auf Keramik

GUY VAN LEEMPUT

01. - 03.07.2022

Guy van Leemput (BE) - Filigranes Porzellan

Petra Bittl

22. - 24.07.2022

Petra Bittl - Umdrucktechniken

ALBERTO BUSTOS

29. - 31.07.2022

Alberto Bustos (ES) - FILAMENTE - XXL-Workshop
Hinweis: ausgebucht, nur noch Wartelisteplätze

MARIA TEN KORTENAAR

23. - 25.09.2022

Maria Ten Kortenaar (NL) - Nerikomi
Hinweis: ausgebucht, nur noch Wartelisteplätze

PAUL SIMON HEYDUCK

30.09. - 02.10.2022

Paul Simon Heyduck - Glasuren-Alchemie

Sandra Nitz

07.10. - 09.10.2022

Sandra Nitz - Faszination Drehen
Hinweis: komplett ausgebucht

MARIA GESZLER-GARZULY

21.10. - 23.10.2022

Maria Geszler-Garzuly (HU) - Serigraphie auf Keramik (Siebdruck)

THOMAS KONSCHOLKE

11.11. - 13.11.2022

Thomas Konscholke - Gipsformenbau
Hinweis: ausgebucht, nur noch Wartelisteplätze

Impressionen vergangener Workshops


Grit Uhlemann in Ihrer Werkstattt

Werkstattgespräch mit Grit Uhlemann

Keramik

Grit Uhlemann arbeitet mit Porzellan und Steinzeug. Sie entwickelt Leuchtobjekte, gibt Glasurkurse, fertigt Gebrauchskeramik und noch vieles mehr.

Wir haben Grit in Ihrer Werkstatt besucht und haben so einiges über sie und ihre Arbeit erfahren, lest selbst.

Grit Uhlemann in Ihrer Werkstattt
© Janos Wlachopulos

Grit Uhlemann in ihrer Werkstatt

Wie lange lebst du schon in Höhr-Grenzhausen?

Seit 2011, also schon über 10 Jahre bin ich hier. Nach meiner Keramikgestalterausbildung hatte ich mich entschlossen hier in die Werkstattgemeinschaft „Ceramix“ zu gehen.

 

Was hat dich bewegt, nach Höhr-Grenzhausen zu kommen und auch hier zu bleiben?

Ich wollte meine Ausbildung als „Keramikgestalterin“ in der Fachschule machen. Ja und mir hat es hier so gut gefallen, dass ich hier „hängen“ geblieben bin.
Keramisch fing alles damit an, dass meine Mutter in meiner Kindheit in zwei Keramikzirkeln war. Dort wurde sehr viel experimentiert. Keramik war bei ihnen zwar nur Hobby, aber dennoch waren die beiden Gruppen sehr enthusiastisch. Das war in Dresden, wo ich groß geworden bin. Tatsächlich fand ich die Leute damals, die Erwachsenen und die Kinder, viel freier als ich das bei meinen Eltern erlebt habe. Das war für mich immer ein tolles Ideal. Es ging noch gar nicht so um das Keramische. Es waren fast mehr die Menschen und diese Mentalität.

Mit 18 Jahren bin ich dann nach Irland gegangen, wo ich dachte, ich müsste mich komplett neu selbst erfinden. Ich habe da viel Selbstversorgung gemacht, mich mit ganz vielen Sachen beschäftigt, die ich zu der Zeit sehr interessant fand, wie Schamanismus und in der Natur zu leben. Schließlich habe ich in Irland Kunst studiert. Habe aber immer eine enge Verbindung zur Keramik gespürt.

 

Du hast zuerst Kunst studiert, in Irland? Malerei oder freie Kunst?

Ich konnte wählen zwischen Keramik, Malerei, Drucktechniken, Mode usw. Ich habe mich dann für den Studiengang „Skulptur und kombinierte Medien“ entschieden. Dieses Fach hinterfragte den Kunstbegriff und probierte auch disziplinübergreifend zu arbeiten. Hier konnte man sehr viel seine eigenen Interessen einarbeiten und es sind wirklich spannende und teilweise sehr lustige Projekte bei mir und meinen Mitstudenten entstanden. Trotzdem fehlte etwas. Am allermeisten fehlte das Materialwissen. Das wurde nicht sehr intensiv vermittelt. Und ich empfand mich dort nicht so richtig zu Hause. Der Gedanke kam immer wieder, dass ich mich doch als Kind mit den Keramikern richtig zu Hause gefühlt hatte. Auch war ich schon so lange in Irland, zudem hatte ich nicht mehr das Gefühl gehabt, dass dort für mich eine spannende Zukunft wartete. Ich beschloss, dass in der Keramik für mich noch eine kleine Revolution wartet. Das wäre wohl am besten in Deutschland, weil hier im Endeffekt doch meine Wurzeln sind und ich die Mentalität verstehe. Damit wollte ich ja auch Geld verdienen und in Deutschland hatte ich da viel mehr Möglichkeiten. Die Keramikszene ist hier sehr vielfältig. Ich möchte aber an dieser Stelle den irischen Keramikern nichts aberkennen, da gibt es wirklich auch tolle Leute.

 

Hast du in Irland denn noch nichts mit Keramik gemacht? 

Doch ab und zu mal ein Praktikum … wie gesagt, ich war gedanklich noch mit anderen Sachen beschäftigt.

 

Wie lange warst du dort?

15 Jahre. Wenn, dann richtig (lacht).

Grit Uhlemann
Steinzeuggeschirr von Grit Uhlemann

Bist du dann direkt nach Höhr-Grenzhausen gegangen?

Nicht direkt. Es gab noch eine kurze Zwischenstation bei einem Freund in Leipzig. Dort habe ich aber nichts Keramisches gefunden. Ich hatte dann in Halle auf der Burg Giebichenstein (Kunsthochschule) mit jemandem gesprochen, der dort im Studiengang „Produktdesign/ Keramik- und Glasdesign“ arbeitet. Ich fand ihn und seine Assistentin zwar total nett, aber ich wusste, dass die konzeptionelle Arbeitsweise nicht so mein Ding ist. Generell arbeite ich sehr materialorientiert. Dort kamen wir schließlich darauf, dass die Fachschule in Höhr-Grenzhausen ja vielleicht was für mich wäre.

 

Das heißt, du hast dann keine klassische keramische Ausbildung gemacht?

Ich habe direkt die Fachschule gemacht und das Kunststudium war die Zugangsvoraussetzung.

 

Du machst unter anderem auch Geschirr. Hast du dir das selbst beigebracht?

Ich habe das Drehen in der Fachschule gelernt und es dann noch vertieft.

 

Fühlst du dich mehr als Keramikerin oder Künstlerin?

Als jemand, der das Material liebt.

 

Du fährst ja zweigleisig, auf der einen Seite die freieren Einzelstücke, die Lichtobjekte, auf der anderen Seite das klassische Geschirr. Wo liegt der Schwerpunkt deiner Arbeit?

Einzelstücke zu machen, ist natürlich spannend. Aber die Vermarktung ist schwieriger und geht vielleicht auch leichter, wenn man etwas mehr bekannt ist. Das heißt für mich in ein paar Jahren.

 

Das hat also auch einen pragmatischen Aspekt, davon leben zu können?

Ja, das war schon der Ansatz. Ich möchte doch in der Keramik ganz und gar dabei sein, eben wegen dieser Kindheitserfahrung mit der Freiheit. Man muss sich so komponieren, dass man da eine Resonanz spürt, sowohl bei mir als auch beim Besucher, Kursteilnehmer und Käufer, sodass meine Keramik und auch meine Kurse gewünscht sind, dass Leute sie spannend finden. Wie das gewichtet ist, bin ich kontinuierlich am Herausfinden. Dazu gehört der Aspekt, dass die Werkstatt lebendig bleibt, genug menschlicher Austausch stattfindet. Gleichzeitig will ich kontinuierlich am Lernen bleiben. Mir geht es viel darum, einen guten Mix aus vielen Komponenten zu finden.

 

Also viele Projekte gleichzeitig. Könnte es nicht auch sein, dass man da den Fokus verliert? Bzw. gibt man damit nicht auch eine gewisse Sicherheit auf?

Mit Sicherheit ja, auf der anderen Seite darf man nicht trocken und spröde in seinem Handeln werden. Während der Corona-Zeit war es schwierig, die Leuchtobjekte in Galerien zu präsentieren, dafür ist das Geschirr entstanden und die Glasurkurse liefen besser. Da hat man dann mehrere Standbeine, die sich auch an äußere Gegebenheiten anpassen können. Und wie gesagt, ich als noch jüngere Keramikerin (nicht altersmäßig gemeint…lacht) muss auch noch meinen Markt entdecken.

 

Was bildet den Schwerpunkt deiner Arbeit? Was ist dir besonders wichtig?

Zum einen ist es bei den Lichtobjekten das Spiel mit dem Licht, das Ambiente, was das in einem auslöst, wenn man in so einem Raum verweilt. Das sind eigentlich Erinnerungen an Irland. Ich versuche da meine Ideale, meine Erfahrungen und die Schönheit von Irland mitzuteilen.

Zum Geschirr, das Motiv der Karde, das war tatsächlich die Pflanze in meinem Studium. Wir mussten damals ein Motiv in verschiedenen Medien wie Textil, Druck, Fotografie usw. darstellen. Es hätte eigentlich ein Gemüse sein sollen. Ich habe dann aber diese Pflanze gesammelt und gedacht, da kannst du ein halbes Jahr mit verbringen (lacht). Letzten Herbst habe ich dann alle möglichen Pflanzen gesammelt und festgestellt, dass die Karde das beste Motiv ist.

 

Was verwendest du für eine Glasur? Seladon?

Nein, eine Oribe-Glasur. Diese keramische Technik ist in Japan entstanden. Stücke in dieser Technik bestehen immer aus einer Zeichnung meist mit Eisenoxid und eben dieser grünen transparenten Glasur. Ich hätte gerne mit Seladon gearbeitet, aber ich hatte keinen Holz- oder Gasofen. Monika Gass hatte mich dann auf die Idee mit der Oribe-Glasur gebracht. Die kann man auch im Elektroofen brennen. Mit Seladon arbeiten zudem schon so viele Leute und ich fand, dass das Grüne gut zu dem beigefarbenen Ton, der gerne auch rotorange „Bäckchen“ bekommt, passt. So ist das entstanden. Ich habe dann halt das Optimum aus der Glasur versucht herauszuholen, die optimale Farbe, keine Risse und Nadelstiche.

 

Das heißt, du hast die selbst entwickelt?

Ja, schon. Ich gebe ja auch Glasurkurse…. Und mag total gerne Glasurentwicklung…

Grit Uhlemann fertigt ihre Porzellanlandschaften
Grit Uhlemann fertigt ihre Porzellanlandschaften

Du hattest vorhin gesagt, dir sei es wichtig, dass alles im Fluss ist und die Werkstatt lebendig bleibt. Ist das für dich der Grund gewesen hier in die Werkstattgruppe zu gehen, anstatt dich allein selbstständig zu machen?

Ich habe in Irland so viel und so lange allein gelebt, wochen- und monatelang allein zu sein, brauche ich wirklich nicht nochmal. Ja und es war in der Ausbildung schon klar, dass ich in einer Werkstattgemeinschaft arbeiten will. Den Austausch finde ich toll.

 

Welche Arbeitsabschnitte haben für dich die größte Bedeutung?

Das sind mehrere Sachen. An der Drehscheibe zu sitzen, finde ich total schön. Mit so viel Ton in Kontakt zu sein, den zu steuern. Das immer wieder neue Komponieren der Porzellanoberflächen und die Überraschung, wie es dann mit Licht aussieht. Ich mag aber auch die Glasurentwicklung, das Analysieren und Verstehen, wie Rohstoffe reagieren.

 

Wie kam es dazu?

Ich glaube, das Interesse kommt von den Leuten damals, die mit Asche und Steinen im Keramikzirkel gearbeitet haben und meine Mutter, die immer nach Achaten im Fluss gesucht hat. Bei ihr war dieses Gefühl für Geologie schon immer drinnen. Ich finde es auch wirklich spannend, wie die eigenen Interessen sich entwickeln und was Eltern für Ideale an die Kinder weitergeben. In meinem Fall kann ich das sehr tief spüren, was Ihnen wichtig war. Mein Vater war für mich immer ein wandelndes Lexikon, der hatte echt für alles eine Antwort…(lacht).

Als wir dann aber mal im Labor waren und das erste Mal alles abgewogen haben, da dachte ich, Laborantin wirst du sicher nicht mehr [lacht]. Aber mit der Zeit habe ich verstanden, dass das Abwiegen nur die Hände machen und dass im Kopf dabei ganz viel passiert. Man geht eben bei der Laborarbeit innerlich die ganzen Reaktionen durch und ist mit den vergangenen Erfahrungen in Kontakt. Es ist eine spannende Kommunikation, die ich auch gern mit meinen Kursteilnehmern führe. Wir sehen die Proben, finden die Unterschiede, wie reagiert was miteinander und verstehen doch so wieder ein Stück mehr in der Geologie.

 

Was machst du nicht so gern?

Den Ofen zu setzen oder auch Glasur beim Glasieren abwischen, mag ich nicht so. Ich würde aber sagen, das ist Jammern auf hohem Niveau…(lacht).

 

Was ist dein wichtigstes Werkzeug? Welches nutzt du am häufigsten?

Gerade ist es die Glasplatte, der Spatel und die Waage.

 

Heißt das, dass du nach wie vor viel Zeit mit Glasurentwicklung verbringst? 

Im Moment ist das so. Ich habe da das Gefühl, dass ich den Leuten dort viel mitgeben kann. Das Auswendiglernen in der Schule, welche Stoffe sich wie verhalten, finde ich so absurd. Warum wird nicht viel mehr empirisch erarbeitet?

Grit Uhlemann beim Drehen
Grit Uhlemann beim Drehen

Welches Ziel verfolgst du mit der Glasurentwicklung?

Ich möchte, meinen Kursteilnehmern ein empirisch erarbeitetes Verständnis geben. Denn das werden sie behalten. Es sind ja ihre eigenen Erfahrungen. Ich gebe mittlerweile Kurse für Steinzeugglasuren im Elektroofen und Holzbrandofen, im Experimentieren mit Aschen, Lehmen und Gesteinen, sowie Raku und Steingutglasuren.

 

Bei wie viel Grad brennst du deine Keramik?

Das Geschirr bei 1260 °C und die Porzellanplatten bei 1240 °C. Das Porzellan ist Weichporzellan, das versintert früher….

 

Warum sollte jemand deine Keramik kaufen?

Die Porzellanleuchten geben ein sehr schönes Licht und sorgen für eine heimelige, wohnliche Atmosphäre. Das Geschirr ist urig. Beide spiegeln meine Liebe zur Natur wider und sollen ein gutes Lebensgefühl geben.

 

Was treibt dich zu neuen Ideen an?

Das Reisen. Unterwegs zu sein und neugierig jedem Tag neu begegnen.

 

Kannst du davon leben?

Ich lebe auf jeden Fall [lacht]. Ich bin jetzt erst etwas länger als ein Jahr so richtig im Business. Die Workshops sind auf jeden Fall ein gutes Standbein. Ich glaube, ich habe es nicht mehr weit dahin, dass ich gut davon leben kann. Jetzt haben wir ja Corona erstmal ein Stück hinter uns gelassen und ich habe wieder Ausstellungen, Märkte finden auch wieder statt.

 

Was macht für dich gute Keramik aus?

Authentizität. Es kommt aus dem Inneren. Das kann sehr individuell sein. Und diese Individualität spiegelt sich in der eigenen Entwicklung, der eigenen Werte wider. Formensprache, Zeichnung und Farbe, sowie die verwendete Brenntechnik sind für mich wichtige Faktoren.

 

Kannst du dir vorstellen, auch was anderes zu machen?

Ich bin doch gerade erst angekommen [lacht]? Naja, ich bin sehr glücklich darüber, dass ich hier zu Hause bin. Die Keramik bietet so viel Potenzial, man kann Menschen sehr viel mitgeben. Es gibt auch ein Gegenüber, dass das total schätzt. Meine Erfahrung mit Keramikern war als Kind und die ist es bis heute, dass sie sehr bodenständig und trotzdem kreativ sind.

Jedes Objekt wird sehr oft in den Händen gehalten.

Grit bemalt ihr Geschirr
Grit bemalt ihr Geschirr

Wo findet man deine Keramik?

In der Werkstatt. Im Großen und Ganzen sind wir von Montag bis Freitag da, wenn ich nicht gerade irgendwelche Kurse außerhalb gebe. Um sicherzugehen, dass ich da bin, sollte man besser vorher anrufen. Ansonsten bin ich noch nicht in permanenten Ausstellungen vertreten. Und Märkte mache ich im Moment nicht viele, da ich schon so viele Kurse gebe. In Höhr-Grenzhausen auf dem Markt bin ich aber auf alle Fälle.

 

Du arbeitest ja im Keramikverein „Kalkspatz“. Was machst du da?

Es ist ein Verein, den es schon über 30 Jahre gibt. Er hat sich damals aus unzufriedenen Lehrlingen gebildet, die gegen das sehr hierarchische Ausbildungssystem im Handwerk ankämpften. Sie waren für ein gemeinsames Lernen der Lehrenden und Lernenden. Viel hat sich inzwischen verändert. Gemeinsames Lernen und Arbeiten ist dennoch weiterhin wichtig.

Wir betreiben schon seit vielen Jahren das Kalkspatzforum, eine Plattform, wo man sich Ratschlag suchen kann und Anzeigen reinstellen kann. Das können Maschinen oder Material sein, was man sucht oder verkauft, sowie Stellenanzeigen.

Außerdem haben wir die Publikation „Töpferblatt“, da schreiben unsere Mitglieder Artikel, auch ich schreibe da gerne was, meist was materialtechnisches oder etwas was ich auf meinen Reisen gesehen habe und spannend fand.

Darüber hinaus haben wir auch ein umfassendes Kursprogramm und organisieren einmal im Jahr für die Mitglieder ein Pool-Working, wo wir gemeinsam arbeiten und voneinander lernen. Es gibt jedes Jahr ein Thema, dass sich die Mitglieder aussuchen.

Ansonsten organisieren wir im Moment das „Symposium pädagogische und therapeutische Möglichkeiten mit dem Material Ton“, wo vor allem die Pädagogen und Therapeuten sich mal treffen, „netzwerken“ können, sich über ihre Ideen und Einrichtungen austauschen können.

 

Was bedeutet der Standort Höhr-Grenzhausen für dich?

Ich fühle mich hier zuhause, auch in der Werkstattgemeinschaft. Ich schätze die Leute sehr und kann mich auf sie verlassen. Hier finde ich eine absolute Ehrlichkeit. Ich finde es auch schön, dass es drumherum noch eine weiter gefasste Werkstattgemeinschaft gibt und man nicht der einzige „Exot“ ist.

Außerdem gibt es hier auch viele KeramikerInnen mit einem umfassenden Materialwissen, die man direkt fragen kann, wenn man Hilfe braucht.

UND man hat in Höhr-Grenzhausen auch einfach das Gefühl, dass die Keramik lebt und dass es eine keramische Zukunft gibt.

 

Vielen Dank für das spannenden und unterhaltsame Gespräch, Grit.

Gerne doch.


Keramikmarkt Höhr-Grenzhausen

Keramikmarkt Höhr-Grenzhausen 2022

Keramik

am Samstag, 12. Juni von 10 bis 18 Uhr und am Sonntag, 13. Juni von 11 bis 18 Uhr

Handmade pur – Faszination Keramik!

Lust auf unverwechselbare Keramik?  Freude an professionellem Handwerk und ausgefallenem Design? Bedacht auf Qualität, Leidenschaft und Lebensfreude?

Neugierig? Dann kommen Sie nach Höhr-Grenzhausen.

Holger Klassen + Katrin Fröhlich
Marktstand von Holger Klassen + Katrin Fröhlich aus Delmenhorst, zwei von vielen Keramiker*innen, die beim Keramikmarkt in Höhr-Grenzhausen zu Gast sein werden.

Aussteller aus ganz Europa zeigen ihre Werke

Tauchen Sie ein in die Welt der Keramik und lassen Sie sich vom ältesten Werkstoff der Menschheit begeistern. Die Keramikstadt begrüßt, anlässlich zum internationalen Keramikmarkt, 140 Keramiker*innen aus ganz Europa und verspricht auf einer 500 Meter langen Marktzone, im Stadtteil Grenzhausen, ein Keramikfestival der besonderen Art.

Gezeigt wird ein buntes Potpourri an Tellern, Tassen, Krügen, Bechern, Kannen, Schalen. Keramik für besondere Anlässe oder das alltagstauglich und familienerprobte Miteinander. Schmuck, Accessoires, Lampen, Wandarbeiten, Objekte, Skulpturen, die den Wohnraum, das Büro oder den Garten bereichern. Rustikal, schrill, schräg, verspielt oder puristisch, kost­spielig oder erschwinglich, knallbunt oder pastellfarben – bestimmt ist für Jeden etwas dabei, was wäre denn die Welt ohne die Dinge, die das Leben abwechslungs­reicher machen.

Auch das Keramikmuseum Westerwald – direkt in der Marktzone – lädt ebenso die Besucher ein, die Vielfalt der Keramik zu erkunden. Beim alljährlichen MUSEUMSFEST gibt’s für jede Altersgruppe ein passendes Angebot. Der Eintritt ins Museum ist an diesem Wochenende kostenfrei.

 

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Maria Meyer beim Drehen

Echte Handarbeit.

Keramische Gäste aus Bayern

Auf einem Plateau unterhalb des Keramikmuseums werden in diesem Jahr sieben Gäste aus Bayern, die allesamt Absolventen der Landshuter Schule sind, ausstellen und mit ihren Arbeiten den Markt erfrischend bereichern.

Spannende Angebote für Groß und Klein

Mit der „2. Offenen Deutschen Töpfermeisterschaft“ auf dem Laigueglia‐Platz inmitten der Marktzone, oder dem Rakubrand mit den örtlichen Keramikern Ute und Arno Hastenteufel unterhalb des Museums, dem marktbegleitenden Wettbewerb mit dem Thema „Schmuck und Knöpfe“, dessen Preisträger feierlich am Sonntag im Museum bekannt gegeben werden, sind hier nur einige genannt. Informieren Sie sich anhand der Marktbroschüre oder direkt im Büro der Kannenbäckerlandtouristik.

Am Samstagabend findet ab 20:30 Uhr im Garten des Jugend- und Kulturzentrum „Zweite Heimat“ das kostenfreie „Naspa-Open-Air-Konzert“ mit den Bobbin Baboons statt.

 

Die Broschüre der Veranstaltung als PDF

Aussteller 2022

(in alphabetischer Reihenfolge)

Gäste aus Bayern / Keramikschule Landshut


© Janos Wlachopulos

Werkstattgespräch mit Monika Debus

Keramik

Monika Debus beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit der Formensprache des keramischen Gefäßes. Ihre Arbeit konzentriert sich dabei in erster Linie auf das Malen und in zweiter Linie auf das Bauen einer Form, ein spannendes Zusammenspiel. Wir haben bei einem lockeren Werkstattgespräch noch sehr viel mehr Spannendes über Monika Debus erfahren.

© Janos Wlachopulos
Monika Debus in ihrer Werkstatt

Monika Debus in ihrer Werkstatt.

Moni, du lebst seit wie viel Jahren in Höhr-Grenzhausen?

Seit 1989, das sind 32 Jahre, kann ich kaum selbst glauben, aber ist so… 32 Jahre.

 

Was hat dich bewegt hier herzukommen?

Ich habe eine Ausbildung zur Scheibentöpferin in Oldenburg gemacht und dann bin ich hier von 1987 bis 92 zur Fachschule für Keramikgestaltung gegangen.

 

Du hast also eine klassische handwerkliche Ausbildung gemacht. Bei deinen Arbeiten könnte man eigentlich meinen, dass du gar nicht aus der Keramik kommst, sondern ein Kunststudium hinter dich gebracht hast oder aus der Malerei kommst? Ich habe von dir aber auch schon Gebrauchsgeschirr gesehen. Wie war die Entwicklung zu den jetzt freien künstlerischen Arbeiten?

Ich habe schon auf dem Gymnasium in einer Töpfer-AG Feuer gefangen. Das Aufbauen hat mir immer sehr gefallen. Es ist ein langsamer Prozess, aber man kann schon mit ein bisschen Geschick größere Sachen machen. Ich habe mir zu Hause eine kleine Werkstatt eingerichtet, meinen Plattenspieler daneben gestellt und stundenlang Vasen nach griechischem Vorbild aufgebaut. Aber nach dem Abitur habe ich erstmal angefangen zu studieren. Die Keramik war in den 80ern ein richtiger Boom und es wäre schwer gewesen eine Lehrstelle zu finden. Erst nach meinem Vordiplom in Geografie bin ich wieder auf die Keramik zurückgekommen, auf das Handwerk und ich habe eine Lehre als Dreherin in Oldenburg gemacht. Anschließend bin ich direkt an die Fachschule, wo ich mein Interesse für das Aufbauen wiederentdeckt habe. Es hat für mich viel mehr Gestaltungsspielraum als das „rotationssymmetrische“ Drehen.
Ich habe in meiner Werkstatt dann aber auch immer Sachen für den Gebrauch gemacht. Anfangs im Elektroofen, dann aber auch irgendwann im Salzbrand. Ich mache, wenn man so will, limitierte Auflagen von Vasen, Schalen und Bechern, kein komplettes Geschirrprogramm.

 

Was war der Grund für den Besuch der Fachschule?

Ich hatte nicht die Vorstellung, dass ich irgendwo als Gesellin arbeiten würde. Für mich war klar, dass ich mich weiterentwickeln wollte und alle Möglichkeiten kennenlernen wollte. Die Fachschule war ein Paradies für uns. Alle technischen Möglichkeiten standen uns offen. Es gab neben dem sehr umfassenden Theorieunterricht viele praktische Unterstützung durch die Fachkräfte wie z.B.einem Brennmeister, einem Drehmeister etc. Und was eigentlich fast wichtiger war. Es gab hier einen Haufen Talente, die interessante Sachen machten. Immerhin waren wir zu der Zeit rund 70 Schüler in drei Jahrgängen. Und gerade zu meiner Zeit sind ein paar sehr gute Leute dort gewesen. Dort habe ich bei Wolf Matthes meinen Abschluss im Bereich Gefäßgestaltung gemacht.

Vasen und Schalen aus dem Salzbrand

Monika Debus - Künstlerische Skulpturen und Gefäße, sowie Vasen, Becher und Schalen

Du bist also erstmal beim Thema Gefäß geblieben?

Die Fachschule hatte ihren Schwerpunkt im Handwerklichen und in der Gestaltung, oder Design, wenn man so will, das sind meine Wurzeln. Ich habe meinen Abschluss im Fachbereich Gefäßgestaltung bei Wolf Matthes gemacht.
Vor meinem Abschlussjahr, als es darum ging, meine eigenen Ideen zu entwickeln, war ich in England und habe Steine am Meer gesammelt. In London, im V&A Museum, habe ich viel Zeit in den oberen Hallen verbracht. Sie war voller Vitrinen mit alten Scherben aus aller Herren Länder. Dort hat sich kaum jemand hin verirrt, aber mich haben diese Scherben ungeheuer inspiriert. Dekore, die gebrochen waren, wo man rätseln musste, was das wohl für ein Gefäß gewesen ist. Irgendwie laufen die Dinge dann meist unbewusst ab, ich bin zurückgekommen und habe angefangen auf Platten zu malen, sie dann auseinander zu brechen und neu zusammen zu setzten.

 

Das heißt, da war schon der Ansatz oder die Vorläufer deiner typischen Gefäßobjekte?

Genau. ich experimentierte mit bemalten Platten, die ich anschließend zusammengefügt habe zu kleineren Objekten. Mein Lehrer Wolf Matthes hat dann gemeint, ich solle doch größer arbeiten. Das war wie ein Startschuss und schon am nächsten Tag standen die ersten größeren Gefäßobjekte da. Sie waren anfangs bunter und verspielter, mit Ohren und Hörnern z.B.… Aber mit der Zeit, dann auch in meiner eigenen Werkstatt sind sie schlichter geworden und ich habe mich tatsächlich mehr auf das spontane Malen mit Schwarz-Weiß-Kontrasten konzentriert. Gebrannt habe ich im Salzofen der Fachschule, eine Gelegenheit, die Tradition des Westerwalds aufzugreifen. Beim Salzbrand bin ich bis heute geblieben. Ich habe ihn leicht verändert und versucht eine neue modernere Formensprache in dieser Brenntechnik zu entwickeln.

 

Aber jetzt machst du auch ganz freie Arbeiten?

Ja. Das Thema der bemalten Gefäßformen war irgendwann mal ein bisschen ausgereizt. Ich habe einen anderen Ansatz gesucht. Meine Arbeiten sind nun skulpturaler, also mehr auf den Raum bezogen, und trotzdem immer noch Malfläche für mich.

Stand für dich fest hier zu bleiben oder war das einfach diese Verknüpfung mit dem Werkstattplatz?

Nein, nach dem Abschluss wollte ich eigentlich vielleicht nach England gehen. Alles stand offen, aber dann erreichte mich der Anruf meines späteren Kollegen Fritz Roßmann, der mich einlud eine Werkstatt auf dem Hof der Merkelbachmanufaktur zu mieten. Ich musste damals einen Kredit bei der Bank aufnehmen, da ich überhaupt kein Startkapital besaß. Davon habe ich ein Auto gekauft, den Ofen gebaut und angefangen Keramik zu machen und versucht diese zu verkaufen. Ein Jahr später bin ich in meine jetzige Werkstatt gezogen. In der Anfangszeit habe ich viel Geschirr gemacht und weniger Einzelstücke. Das ließ sich einfach leichter und sicherer verkaufen auf den Märkten und hin und wieder in der Werkstatt.

Monika Debus

Monika bemalt ihre gebauten Gefäß­objekte.

Wann kam die Entscheidung sich mehr auf die Einzelstücke zu konzentrieren und kam das durch den entsprechenden Umstand?

Das war mehreren Sachen geschuldet. Es war mühselig, von Geschirr zu leben. Damals, Anfang der 90er, hatte die Keramik einen schwierigen Stand. Ich habe am Anfang viele Märkte gemacht, bei denen ich gerade mal die Unkosten wieder drin hatte. Ich habe auch immer wieder zwischendurch Einzelstücke gemacht, mich auf Wettbewerben beworben, an der Uni als Dozentin gearbeitet. 1998 kam dann das erste Kind und ich musste eine Entscheidung treffen. Zeitgleich hat Renate Wunderle von der Galerie b15 in München Interesse an meinen Arbeiten bekundet. Ab dem Zeitpunkt habe ich angefangen, nur noch Einzelstücke zu machen. Es folgte direkt ein Qualitätssprung, weil ich mich einfach mehr darauf konzentrieren konnte. 2001 hatte ich in der b15 eine Einzelausstellung, wodurch Leute auf mich aufmerksam geworden sind, und von da an ging es bergauf, wie man so schön sagt. Auch in der Werkstattgemeinschaft zu arbeiten hat die Dinge sehr erleichtert. Es war gegenseitige seelische Unterstützung, technischer Beistand und das Gefühl nicht allein zu kämpfen.

 

Hast du von Anfang an den Salzbrand gemacht?

Ja, weil in der Schule gab es die Möglichkeit mit diesem Salzofen und der wurde da gar nicht gebrannt und ich habe was gesucht, was dem lederharten Zustand, den ich am allerschönsten finde, am nächsten kommt. Ich habe mich mit einer Freundin an der Schule zusammen getan, denn es war gar nicht so einfach diesen riesigen Ofen voll zu bekommen. Damals war David Miller an der Keramikschule, um einen Workshop zu geben, Salzen mit Soda und Raku. So kamen wir auf die Idee, den Salzbrand im niedrigeren Temperaturbereich zu machen.

 

Und hier noch ein paar Fragen mit der Bitte um kurze Antwort.
Was machst du am liebsten, welcher Arbeitsabschnitt hat für dich die größte Bedeutung?

Am liebsten male ich auf die Keramik und schaue dabei zu, wie die Form überzogen wird und eine komplett andere Aussage bekommt. Das Schöne an meiner Arbeit ist aber letzten Endes, dass sie so abwechslungsreich ist in jeder Hinsicht. Ich schaffe ja nicht nur meine eigenen Sachen, ich muss sie ja auch vermarkten und in Kontakt kommen mit Leuten. Das mache ich auch gern. Vor allem, wenn es Leute sind, die meine Sachen mögen.

 

Was machst du nicht so gern?

Lustigerweise das Brennen, obwohl es so ein wichtiger Arbeitsschritt für mich ist.

Monika Debus

Glätten der Oberfläche

Was ist dein wichtigstes Werkzeug?

Meine Hände und meine Pinsel.

 

Wie lange arbeitest du an einem Stück?

Das kann ich gar nicht genau sagen. Ich arbeite meist an mehreren Stücken gleichzeitig. Dann gibt es ja sehr viele Arbeitsschritte vom Trocknen, zum Malen bis hin zum Brennen. Einige Arbeiten werden auch nach dem Brand aussortiert, weil sie nicht meinen Vorstellungen entsprechen. Für eine Ausstellung brauche ich mehrere Monate, um sie optimal vorzubereiten.

 

Was treibt dich zu neuen Ideen an?

Ich versuche, mit offenen Augen und auch Ohren durch die Welt zu gehen. Alles kann mich zu einem Gedanken bringen, auch die Begegnung mit Menschen oder Landschaften.

Monika Debus in ihrer Werkstatt

Kannst du davon leben?

Ja. Gott sei Dank! Und irgendwie bin ich auch stolz darauf.

 

Könntest du dir auch vorstellen, was anderes zu machen und wenn ja, was?

Musik wäre eine echte Alternative. Aber das ist nur in meiner Vorstellung so, ich spiele weder ein Instrument, noch singe ich im Chor. Aber ich stelle mir das sehr erfüllend vor.

 

… und wo findet man denn so deine Keramik?

Höhr-Grenzhausen: Werkstattladen und Galerie bei der Keramikgruppe
Paris: 1831 Art Gallery
Heidelberg: Werkstaat, Contemporary Ceramics
Rostock: Goldwerk Galerie
Beim Markt in Diessen am Ammersee
Journée de la céramique, Paris, S.Sulpice
In Holland beim Keramisto-Markt, Milsbeek
und dann noch temporäre Ausstellungen in diversen Galerien im In- und Ausland

 

Vielen Dank für das schöne Gespräch, Moni.


Ich bin dein Material

Ich bin dein Material

Keramik

Ich bin dein Material – so lautet die Ausstellung des Neuen Kunstvereins Mittelrhein, die am 05. Juni 2022 in Neuwied eröffnet wird.

Der Neue Kunstverein Mittelrhein verfolgt das Ziel, zeitgenössische Kunst in einer historischen Werkshalle auf dem ehemaligen Rasselstein Gelände in Neuwied erfahrbar zu machen. Ein besonderer Fokus liegt auf Kunst, die vor Ort in den Werkshallen produziert wird.

Das Institut für künstlerische Keramik und Glas (IKKG) in Höhr-Grenzhausen ist Partner des Kunstvereins und präsentiert in den ersten beiden Ausstellungen Studierende sowie AbsolventInnen. Zu Beginn steht ein Projekt im Rahmen der Gastlehre der beiden Künstler JEREMY PAULY (Belgien) und THOMAS KUHN (Deutschland), die gemeinsam mit Studierenden ein Ausstellungskonzept erarbeiten.

Die ausgestellten Arbeiten sind in Dialogen zwischen Schreiben, Performance und Installationen entstanden. Die Gruppe hat drei Wochen lang auf dem Industriegelände gewohnt und gearbeitet, Texte gelesen und praktische Übungen gemeistert. So wurden die Vorstellungen von Körper, Raum und Material nach und nach erweitert.
Die Präsentation dokumentiert diese täglichen Abläufe und lässt die Besucher Teil einer gemeinsamen Reflexion werden: Was unterscheidet Fundstücke von Kunstwerken? Welche Rolle spielen dabei Rituale und Konventionen? Welchen Einfluss haben Industrie und Arbeit auf die künstlerische Tätigkeit?

Ich bin dein Material

JEREMY PAULY ist ein belgischer Künstler, der im Anschluss an sein Studium am IKKG seinen Master of Fine Arts am Art Institute Chicago gemacht hat. In seiner stark performativ geprägten Arbeit sucht er den physischen Kontakt zum Publikum und zum Ausstellungskontext.

Seit seinem Studium am IKKG beschäftigt sich THOMAS KUHN mit Fragen nach dem Wesen und der Wahrnehmung kultureller Erzeugnisse. Er verfremdet alltägliche Gegenstände und beraubt diese so ihrer ursprünglichen Funktion. Ein zentrales Element ist dabei das Material, welches er oft in ungewohnten Zusammenhängen in Erscheinung treten lässt.

Mit Beiträgen von: Alejandro Pena Chipatecua, Eunkoung Cho, Lea Krämer, Charlotte Pohle, Markus Marschmann, Selina Weber, Jochen Härter, Nele Golle, Leoni Cebici, Antonia Oster

Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, 05. Juni 2022 um 18.00 Uhr

Ausstellungsdauer:
05. bis 26. Juni 2022
Bitte melden Sie sich vorher an.

Ausstellungsort:
NEUER KUNSTVEREIN MITTELRHEIN
Rasselsteiner Str. 101
56564 Neuwied

www.nkvm.de

Hochschule Koblenz
Institut für Künstlerische Keramik und Glas
Rheinstraße 80
D-56203 Höhr-Grenzhausen
Tel 02624 91066-0
Fax 02624 91066-60


Claudia Henkel

Werkstattgespräch mit Claudia Henkel

Keramik

Claudia Henkel arbeitet mit Porzellan, mit bestickten Stoffen, Spitzen und Gardinenstoffen dekoriert sie hauchdünn ausgewalzte Porzellanplatten, die sie dann liebevoll zu Bechern, Tassen, Schalen, Krügen und noch mehr zusammenbaut. So entstehen ganz spezielle individuelle hochwertige Einzelstücke, die sich perfekt in das Gesamtsortiment integrieren.

Wir haben Claudia in Ihrer Werkstatt besucht und im Gespräch einiges über sie erfahren.

Claudia Henkel
Claudia Henkel © Janos Wlachopulos

Claudia Henkel in ihrer Werkstatt.

Du lebst und arbeitest seit 1998 in Höhr-Grenzhausen, was hat dich dazu bewegt hierher zu kommen und auch hier zu bleiben?

Ja ich denke, wie die meisten Keramiker hier, die Fachschule. Ich bin hier zur Fachschule gegangen. Erst fand ich es ganz schrecklich in Höhr-Grenzhausen und bin am Wochenende immer nach Hause gefahren. Aber der Armin Skirde hat mir dann prognostiziert: Du wirst hier bleiben.

 

Warum war es erst schrecklich?

Damals war Höhr-Grenzhausen noch anders. Ich komme aus der Großstadt Essen und da war so ein kleiner Ort schon ein echter Kulturschock. Es war trist und trüb für mich. Erst als ich mich hier mit den ganzen Keramikern eingelebt hatte und in der Szene ein bisschen drin war, da war ich dann. Also Zuhause bin ich hier immer noch nicht wirklich, aber es ist gut.

 

Findest du es denn mittlerweile immer noch trist?

Ich finde, Höhr-Grenzhausen hat eine Schwere. Mir fehlt hier ganz oft die Leichtigkeit, sowas wie in Frankreich. Einfach ein bisschen, ja Nonchalance oder keine Ahnung. Die Menschen sind auch manchmal so pampig. Vielleicht macht’s auch der Dialekt? Keine Ahnung. Vieles ist aber auch einfach hier. Eben, weil so viele Keramiker da sind. Am Anfang habe ich hier ganz viel Rückhalt bekommen. Gerade der Fritz, der hat mir so geholfen mich auch in meiner Selbstständigkeit zu finden. Ich durfte bei ihm brennen und er hat mich alleine seinen Ofen brennen lassen, solche Dinge sind toll, dass so viel Vertrauen da ist und so. Damals habe ich das gar nicht so empfunden, aber heute denke ich: „Wow! Schöne Zeit gewesen.“

 

Also verstehe ich das richtig, du wärst wahrscheinlich ohne die Keramik nicht nach Höhr- Grenzhausen gekommen?
Nein. Sicherlich nicht

Porzellanweiß und Seladongrün sind die zwei von Claudia Henkel bevorzugten Glasurfarben für die Gefäße

Claudia Henkel
Claudia Henkel - © Janos Wlachopulos

Wann bist du denn das erste Mal mit Keramik in Berührung gekommen?

Ach schon früh, relativ früh. Ich habe mit meiner Mutter Töpferkurse gemacht. Ich habe aber erst was ganz anderes studiert und dachte immer ich müsste das alles zu Ende machen, also fertig studieren. Während des Studiums habe ich aber schon immer gewusst: eigentlich willst du das gar nicht machen. Ich habe Kunstgeschichte, Germanistik und Theater-Film und Fernsehwissenschaften studiert. Aber ich bin einfach keine Akademikerin. Ich muss am Ende des Tages sehen, was ich geschafft habe.
Nach dem Studium habe ich dann erstmal ein Praktikum in einer keramischen Werkstatt gemacht. Magaretenhöhe in Essen. Ein halbes Jahr oder so und danach habe ich die Lehre in Bochum gemacht.

Ja dann erübrigt sich natürlich die Frage wo du deine Ausbildung gemacht hast?

Ja, Bochum, bei Roger Zumpfe

 

Was war das für ein Betrieb?

Ein ganz kleiner, Ein-Mann-Betrieb. Das war auf einem Waldorfgelände mit einem Waldorfkindergarten. Er war auch Waldorflehrer, also hatte ich immer kleine Kinder um meine Töpferscheibe herum. Und ja, wir fertigten ganz traditionelle Töpferware, mit einer einfachen blauen Pinselmalerei.

 

Welchen Beruf hättest du denn gewählt, wenn es den Beruf Keramikerin nicht geben würde?

Ach, ich wollte so vieles werden, irgendwann mal. Ich wollte Restauratorin werden, ich wollte Tänzerin werden, Schauspielerin, also ich habe immer tausend Berufswünsche gehabt.

 

Aber schon etwas Kreatives, oder?

Ja, immer was Kreatives. Im Nachhinein hätte ich mir aber auch gut Gärtnerin oder … Ja, Gärtnerin hätte ich mir gut vorstellen können. Ich bin gerne in meinem Garten.

 

Das ist ja auch kreativ

Ja

 

Was macht denn deine Arbeiten besonders?

Ich glaube, so arbeitet keiner. Also aus Porzellan Geschirr bauen, das machen, glaube ich, nicht so viele, weil das auch recht zeitaufwendig ist. Dadurch ist aber auch jedes Stück ein Einzelstück. Anders geht das gar nicht. Ich kann zwar seriell arbeiten, aber trotzdem wird jedes Gefäß unterschiedlich. Das Material verhält sich einfach wie es sich verhält und auf manche Sachen habe ich auch gar keinen Einfluss.

 

Das macht es natürlich sehr besonders …
Ja, genau.

© Janos Wlachopulos

Claudia Henkel arbeitet an ihren Tassen und Bechern in ihrer Werkstatt.

Du arbeitest ja hin und wieder auch mit Schwarzbrand?

Das mache ich gar nicht mehr. Also die schwarzen Arbeiten, wie Teller und Platten, sind inzwischen einfach aus schwarzer Masse gefertigt.

Aber das hast du gemacht.

Das habe ich lange gemacht. Ich habe das dann im Rakuofen gebrannt, in Kapseln. Das ist unglaublich aufwendig. Inzwischen bin ich in so einem Alter, in welchem es immer einfacher werden muss. Manches geht einfach nicht mehr. Ich versuche das Arbeiten immer simpler zu machen, ohne dass die Keramik was verliert.

 

Was macht denn das Porzellan so besonders?

Das ist einfach die Materialqualität. Dieses durchscheinende und dieses Zarte. Ja, zart kann man es bearbeiten, muss man zwar nicht, aber ich arbeite relativ zart damit. Das hat für mich sowas Feenhaftes, Elfenhaftes. Das hat eine Seele, die durch das durchscheinende irgendwie schimmert. Sowas wie Gefühl.

 

Warum machst du denn Geschirr?

Das wollte ich immer schon machen.

Immer schon?

Immer. Das war von Anfang an klar. Ich wollte einfach schönes Geschirr machen. Auch, weil das so elementar ist. Ich meine, wir essen von bezaubernden Tellern und trinken aus schönen Tassen. Das hat so einen starken Bezug zum Menschen und deswegen wollte ich ansprechendes, schönes Geschirr machen. Ich glaube, das macht einfach was mit einem, wenn man den Dingen so einen Wert beimisst. Gerade auch beim Essen, das womöglich schön angerichtet ist. Das ist halt keine Nebensache, sondern es ist ganz wichtig, sich mit schönen Dingen zu umgeben. Einfach, für die Seele ist das wichtig.

 

Was ist denn dein Lieblingswerkzeug?

Das kann ich dir gerade zeigen (Steht auf und geht zur Werkbank, nimmt eine kleine Metallwalze und eine Holzwalze in die Hand). Das ist eigentlich das hier. Diese beiden. Das ist das, womit ich die Dekore in die Oberfläche einpräge. Ich lege den Stoff einfach auf die Fläche und präge dann mit diesen Rollen oder Walzen den Dekor ein. Das ist mein Lieblingswerkzeug. Das doofste ist die Nudelrolle, das Arbeiten mit der Nudelrolle beansprucht ziemlich die Gelenke. Ich muss halt alles auswalzen, aber ja, muss halt sein.

 

Sind das denn auch die Werkzeuge, die du am häufigsten benutzt?

Ja, neben Messern und so einer Zierklinge zum Glätten, noch so ein Stockschwamm, Schwämme und Löffel, Gabeln, sowas.

© Janos Wlachopulos

Claudia glasiert Ihre Stücke

Welchen Arbeitsschritt machst du denn am liebsten?

Das ist das Bauen. Dekorieren und Bauen, also ich dekoriere erst und dann baue ich. Das Henkeln mag ich gar nicht. Tatsächlich, obwohl ich so heiße.

Stimmt, du heißt ja so, …

Aber ich mache es wirklich trotzdem nicht gerne.

Wieso?

Weil es einfach so unglaublich viel Arbeit macht. Man muss die Henkel vorbereiten, in Form bringen, angarnieren und versäubern. Das ist einfach sehr langwierig und man kann trotzdem nicht so furchtbar viel mehr dafür nehmen. Der Kunde sieht ja nicht, dass das so ein zeitraubender Arbeitsschritt ist. Dekorieren geht total schnell und bauen ist zwar nicht so schnell, aber vollkommen in Ordnung, da sieht man trotzdem, dass es vorangeht, dass man was schafft.

 

Meine nächste Frage wäre gewesen was machst du nicht so gerne aber das hast du mir ja gerade schon verraten.
Bei wie viel Grad brennst du?

1.280 Grad im Gasofen, reduzierend.

Ok. Das kann man ganz kurz und knapp beantworten.

Ja das stimmt.

 

Was treibt dich zu neuen Ideen an?

Ja die Langeweile ganz oft. Serielles Arbeiten wird ja manchmal langweilig und eigentlich würde ich immer ganz gerne neu entwickeln und gar nicht mein Geschirr fertigen. Also ja, das drängt mich. Das Material führt einen immer zu neuen Ideen, weil das so viel kann. Das Material hat so viele Eigenschaften, die es einem anbietet, man muss nur gucken, sie aufnehmen und weiterentwickeln. Wenn man beispielsweise Schlicker auf eine Gipsplatte siebt, dann entstehen sehr schöne Strukturen, die könnte sich der Verstand gar nicht ausdenken. Diese habe ich dann genommen und auf Gefäße garniert. So sind wunderschöne, außergewöhnliche Vasen entstanden.

 

Tauschst du dich auch gerne aus?

Ja, das wohl auch. Aber es entsteht im Machen so viel. Das Material, es führt einen von einem Schritt zum anderen. Und jede Hand arbeitet anders. Ich kann auch gar nicht verstehen, warum manche Kollegen so ein Geheimnis um ihre Fertigung machen. Wenn ich eine Technik verwende, die ein Kollege entwickelt hat, kann das Ergebnis dennoch komplett anders aussehen. Kopieren, geht natürlich nicht.

 

Das hört sich ja so an, als hättest du dein Zuhause im Material gefunden?

Ja, schon.

Claudia bearbeitet ihre hauchzart und durchscheinenden Tassen und Becher.

© Janos Wlachopulos

Verfolgst du denn ein bestimmtes Ziel?

(Stille) … Keramiken fertigen ist ja so ein periodisches Arbeiten. Man fängt an mit der Formgebung und mit dem Versäubern und dann kommt das Dekorieren bzw. das Glasieren oder die Farbgebung, je nachdem. Danach das Brennen und dann fängt man immer von vorne an. Das Ziel ist eigentlich immer wieder von vorne anzufangen. Also das ist … ? Nein, eigentlich habe ich keine Ziele, wie dass ich mal eine berühmte Keramikerin werden muss – ich bin auch nicht ehrgeizig. Die Struktur gibt einfach vor, was man macht. Es fängt an mit der Planung des Jahres an, welche Märkte macht man und wann man welche Ware braucht. Direkte Ziele, die ich direkt verfolge, gibt es wohl nicht. Eigentlich eine ganz organische Lebensart.

 

Da du gerade schon von den Märkten gesprochen hast, wo findet man deine Keramik? Dann wahrscheinlich meist auf den Märkten?

Genau! Hauptsächlich verkaufe ich über Märkte, aber auch hier bei mir im Laden kann man mich finden. Ich habe keine geregelten Öffnungszeiten, aber wenn ich arbeite, bin ich da und es ist geöffnet. Meine Telefonnummer hängt an der Tür, falls ich nicht da sein sollte. Dann einfach anrufen und es gibt auch noch ein paar Läden, die ich beliefere. Aber ich würde halt lieber selber verkaufen.

 

Dann macht dir bestimmt auch der Kontakt mit den Kunden Spaß?

Ja, weil sie mich auch manchmal zu neuen Ideen anregen. Dann fragen sie, warum macht man denn das so oder so und dann fragt man sich, warum eigentlich? Die Fragen sind manchmal gar nicht mal so doof.

 

Kannst du von der Keramik leben?

Ja, inzwischen, seitdem ich dieses Sortiment hier mache. Vorher habe ich ja gedreht und mehr dieses Design mäßige Schwarz-Weiß-Sortiment gemacht. Das war deutlich schwieriger zu verkaufen, als das aktuelle Programm. Die Leute brauchen Dekor, sie brauchen Farbe, das ist einfach so. Dann ist es einfacher. Und die Zeit hat sich, glaube ich, inzwischen auch gewandelt. Es geht ja vieles in die Richtung Nachhaltigkeit und das merkt man gerade.

 

Keramikerin ist ja auch ein nachhaltiger Beruf?

Also ein bisschen habe ich auch ein schlechtes Gewissen, mit dem ganzen CO2, was ich in die Luft blase, mit meinem Gas und reduzierender Atmosphäre und das dann halt nur für schöne Sachen. Wo ich dann auch tatsächlich im Moment darüber nachdenke, vielleicht umzustellen. Es gibt Massen aus Sekundärrohstoffen, die also nicht extra abgebaut werden, sondern die in der Industrie anfallen und die man eben für die Keramik wiederverwenden kann. Die gibt es tatsächlich inzwischen und es gibt niedrig brennende Massen, also da denke ich tatsächlich gerade darüber nach.

 

Also ist das jetzt eine neue Idee von dir?

Ja, so aus der Not heraus, eigentlich nicht aus der Not, aus der Notwendigkeit heraus geboren, dass man was verändern muss. Es geht so alles nicht weiter.

 

Was macht denn gute Keramik für dich aus?

Das lässt sich schlecht beschreiben. Das ist ein Gefühl, was man hat, wenn man es anfasst. Dass die einen berührt. Die Keramik muss nicht perfekt sein, also es ist mit Sicherheit nicht die Perfektion. Man sollte etwas spüren, vielleicht die Seele darin oder die Geschichte oder irgendwas, was einen anspringt. Das ist aber ganz schlecht zu beschreiben und für jeden ist es, glaube ich, auch was anderes.

 

Dann habe ich jetzt noch eine letzte Frage für dich: Was bedeutet denn der Standort Höhr-Grenzhausen für dich?

Das ist ein kleines Wunder, was es hier alles so gibt an gesammeltem Know-how und gesammelten tollen Keramiken und die Möglichkeiten, die man hier hat, die ich auch damals in der Ausbildung hier hatte. Das ist schon echt sehr, sehr einzigartig. Deswegen haben wir ja auch so viele tolle Keramiker hier vor Ort. Die sind wirklich alle durch eine gute Schule gegangen und ja es ist schon wirklich besonders, eigentlich müsste dies auch viel mehr von außen gewürdigt werden. Viel mehr Leute müssten es kennen und auch hier herkommen.

 

Vielen Dank für das schöne Gespräch, Claudia.


© janos wlachopulos

Werkstattgespräch mit Armin Skirde

Keramik

Armin Skirde arbeitet mit Steinzeugton; seine Arbeiten werden meist auf der Töpferscheibe gedreht, durch ihre dünne Außenglasur bewahren seine Werke den erdigen Charakter. Wichtig sind ihm auch die Spuren, die der Ton durch seine Bearbeitung erfährt – Schlickerspuren, Drehrillen, Dellen, Beulen oder auch Fingerspuren.

Wir haben Armin in seiner Werkstatt besucht, es ist ein sehr amüsantes Gespräch entstanden. Lest selbst und erfahrt mehr über Armin Skirde.

© janos wlachopulos
© Janos Wlachopulos

Armin Skirde in seiner Werkstatt.

Armin, du lebst und arbeitest schon sehr viele Jahre in Höhr-Grenzhausen?

Ja, richtig. Ich lebe in Höhr-Grenzhausen seit 1980. Erstmal ein Studium, dann Zivildienst, dann nochmal ein Studium. Ich habe nach dem Studium in Engers bei einer Fliesenfabrik als Keramikgestalter gearbeitet. Offiziell mit der Werkstatt angefangen habe ich 1995.

 

Was hat dich dazu bewegt hierher zu kommen und schließlich hier zu bleiben?

Ja, das hätte ich tatsächlich nicht gedacht, dass ich hierbleibe. Ich komme aus Würzburg, einer sehr schönen Stadt, und war ziemlich sicher, dass ich da wieder hin zurückgehe. In Höhr-Grenzhausen wurde ich bei meinem ersten Studium dann zum Keramikingenieur ausgebildet.

 

Was ja auch besonders ist, vom Ingenieur zur handwerklichen Keramik zu kommen.

Ja, tatsächlich, das war so nicht geplant. Aber da muss man auch dazu wissen, wie ich überhaupt zum Ingenieur gekommen bin. Ich wollte eigentlich Biologie studieren, aber mein Notendurchschnitt, hätte da nicht gereicht. Also Biologie kam erstmal nicht infrage. Für Gartenbau oder Landschaftspflege sah die Situation ähnlich aus. Durch Zufall stieß ich auf die Keramik.

Keramik klang vom Wort her schon mal interessant. Dann habe ich mich dort direkt beworben und tatsächlich war es erstmal die einzige Einladung. Ich war überrascht, dass das Studium nicht direkt in Koblenz war, sondern man nochmal knapp 20 Kilometer durch den Wald fahren musste. Ich fand die Gegend aber ganz schön und dachte einschreiben kannst du dich ja schon mal, du kannst dich ja wieder austragen. Zur Sicherheit habe ich mir schon mal ein kleines Zimmerchen genommen und tatsächlich begann ich dann im Oktober in Höhr-Grenzhausen mein Studium.

Prompt bekam ich einen Monat später, weil in Bayern das Studium um einen Monat versetzt losging, über das Losverfahren einen Platz für Biologie. Es war eine schwere Entscheidung, eine Woche ging es hin und her: Mache ich dies, mache ich das? Ich habe mich dann zum Glück für das Bleiben entschieden und bin bis heute sehr zufrieden, die Wahl so getroffen zu haben.

Armin’s Arbeiten noch nicht gebrannt

© Janos Wlachopulos
© Janos Wlachopulos

Und wie lief das dann mit dem Weg zur Keramik?

Das Studium war eher technischer Natur und bildete zum Keramik-Ingenieur aus. Besonders interessierte mich die Arbeit im Labor, z.B. die Entwicklung von Massen und Glasuren; auch bei der Biologie hätte mich besonders die Laborarbeit und Entwicklung interessiert. Aber natürlich interessierte ich mich von Anfang an auch für das Arbeiten mit Ton; und hier besonders das Arbeiten an der Töpferscheibe. Ich beantragte direkt, als Gastschüler, auch in die Drehwerkstatt gehen zu können und das konnte ich dann auch von Beginn an. Die Ingenieursschule und die Gestalterschule waren damals noch in einem Gebäude. Die dortigen damaligen Studenten, wie Thomas Naethe, Uli Witzmann und andere gaben mir die ersten Tipps.

Ja, das Drehen hat mich ziemlich begeistert. Dann hatte ich noch einen Freund in Hilgert, der eine Scheibe hatte, wo ich das Drehen üben konnte. Irgendwann habe ich dann einen Praktikumsplatz, beim Helmut Müller bekommen. Erst ging es nur darum Formen auszuformen, später durfte ich auch drehen lernen. Anfangs war er etwas skeptisch, aber schließlich war er so begeistert davon, dass sich ein Ingenieur für Töpfern an der Drehscheibe interessierte.

 

Das ist ja schon ein seltener Werdegang, die meisten kommen eher aus dem Handwerk.

Ja genau, normalerweise ist es eher umgedreht. Ich kenne ein paar Leute, die zuerst die Lehre und dann ihren Ingenieur gemacht haben. Auf alle Fälle hatte sich mit der Zeit ein Vertrauensverhältnis mit Helmut Müller aufgebaut. Ich bekam einen Schlüssel, sodass ich fast jeden Abend ca. eine Stunde üben konnte. Hinterher habe ich mich dann mit den Kommilitonen getroffen. Hätte ich damals geahnt, was das für ein weiter Weg ist, Drehen zu lernen, hätte ich damals vielleicht resigniert. Im Übrigen macht die Tatsache, dass man in der Keramik nie ausgelernt und immer wieder neue Herausforderungen kommen, den Beruf sehr reizvoll. Man hat immer wieder Möglichkeiten, neue Schwerpunkte zu setzen.

Nach dem Studium konnte ich aber in Höhr-Grenzhausen meinen Zivildienst in der Einzelbetreuung anfangen. Das hieß damals fünf Tage Tag-und-Nacht-Dienst und dann 10 Tage frei. In der freien Zeit konnte ich dann mein Praktikum in der Drehwerkstatt fortsetzen. Auch hatte ich noch den Gastplatz an der Fachschule, wo ich ebenfalls das Drehen üben konnte.

 

Das heißt, du hast alles gleichzeitig gemacht?

Ja, am Anfang war da noch viel Überschneidung: Diplomarbeit, Zivildienst, Drehen üben. Für mich war aber schon ab Mitte des Studiums klar, dass ich nicht als Ingenieur arbeiten wollte. Ich habe dann fertig studiert, um für mich was Fertiges in der Tasche zu haben. Nach der Zivildienstzeit hatte ich genügend externe Lehrjahre zusammen, um mich für die Gesellenprüfung anmelden zu können. Nach der Gesellenprüfung habe ich mich dann für die Fachschule beworben und schließlich die drei Jahre an der Fachschule studiert. Danach dachte ich aber immer noch, ich werde Höhr-Grenzhausen verlassen und wieder nach Würzburg gehen. Hatte mich dann bei drei verschiedenen Stellen beworben und die interessanteste war dann tatsächlich nicht weit weg von Höhr-Grenzhausen, in Neuwied-Engers.

Ich hatte damals die Wohnung schon fast gekündigt, aber zum Glück war mein WG-Platz noch nicht vergeben und ich konnte dann weiter dort wohnen bleiben.

 

Und in Engers hast du dann als Gestalter gearbeitet?

Ja, als Gestalter. Allerdings mit der Option, dass wenn der Ingenieur in den Urlaub fährt, dass ich so ein paar Kontrollen machen müsste, was aber eher selten passierte.

Dann kam auch schon der Zeitpunkt, dass ich Hauseigentümer wurde. Ich kaufte das Haus, in dem ich inzwischen schon 15 Jahre gelebt hatte und baute es um. Dies band mich natürlich noch mehr an den Westerwald.

In Engers hatte ich zu arbeiteten angefangen, weil ich während des zweiten Studiums (also an der Fachschule), keine Unterstützung mehr bekommen hatte. Es hatte meine kompletten Ersparnisse aufgebraucht, ich bräuchte ein gewisses Grundkapital, um eine Werkstatt eröffnen zu können. Mit einem Kredit wollte ich nicht starten. Das hätte mich nervlich zu stark unter Druck gesetzt, nicht scheitern zu dürfen.  In Engers verdiente ich sehr gut, sodass ich pro Monat ca. 1.000 – 1.500 DM bequem weglegen konnte. Als Limit hatte ich mir 3 – 4 Jahre gesetzt. Nach dreieinhalb Jahren half mir das Schicksal. Die Kündigung seitens Engers spielte mir in die Karten. Das war ein Glücksfall, weil ich inzwischen war ich in einem Stadium, indem ich gar nicht genau wusste, ob ich meinen Plan, mich selbstständig zu machen, überhaupt noch umsetzen kann. Ich wusste nicht, was ich noch kann. Ich hatte 3,5 Jahre keine Töpferscheibe und keinen Ton mehr angelangt. Außerdem war das mit dem guten Verdienst auch ein komfortabler Zustand, an den man sich gewöhnen konnte. Die Arbeit hatte mir auch weitestgehend gefallen. Allerdings war ich auch zunehmend weniger selbstbestimmt. Aber das Schicksal spielte zum Glück mit und es begann die Phase mich mit einer Keramikwerkstatt selbstständig zu machen.

 

Du bist aber nicht schon immer hier in der Brunnenstraße?

Erst hatte ich im Bahnhof Grenzau meine erste Werkstatt, es war aber noch eine Orientierungsphase. Dort hatten auch noch zwei andere befreundete Keramiker Räume gemietet. Ich war aber nicht lange da. Irgendwann hat mich mein Studienkollege Martin Goerg gefragt, ob ich interessiert wäre, mit meiner Werkstatt in die Brunnenstraße zu ziehen, es wurden dort Räumlichkeiten frei. Es war die Zeit, in der Fritz Roßmann und Martin Georg die hintere Hälfte der Merkelbach-Manufaktur kauften.

© janos wlachopulos
© Janos Wlachopulos

Armin Skirde arbeitet in seiner Werkstatt.

Und dann hast du so richtig 100 Prozent Werkstatt gemacht?

Also, ab hier war es dann so richtig volle Kanne. Vorher war noch mehr Testen und Herumprobieren, teilweise auch Praktika in anderen Werkstätten. Dies war wichtig, um meinen Standpunkt zu finden. Herauszufinden, was und wie ich es machen will. Aber ab hier war das dann definitiv die Selbständigkeit.

 

Hattest du dann schon ein keramisches Programm erarbeitet oder ist das erst im Laufe der Jahre entstanden?

Ja, es hat sich im Lauf der Jahre natürlich geändert. Es hat erstmal ohne Bemalung angefangen und dann…

 

Reine Geschirrkeramik, oder?

Ja, das war klar. Auf Einzelstücke zu setzen war mir einfach zu riskant und ist es heute noch.

Ich bin damit ganz zufrieden. Ich habe dann auch meinen Weg gefunden. Bin jetzt auch kein Geschirrkeramiker, der versucht ein Stück wie das andere zu machen und Großserien hinzulegen, sondern ich versuche einen Weg dazwischen zu finden. Am wichtigsten war mir, an der Töpferscheibe arbeiten zu können und kreativ blieben zu können.

 

Du hast auch ein großes keramisches Programm…

Das wächst mit der Zeit, klar. Ist teilweise auch durch den Einfluss der Kunden entstanden, dass ich für sie spezielle Wünsche entwickelt habe und ich hinterher fand, dass sie gut in meine Produktpalette passen.. Das Sortiment hat sich auch deswegen vergrößert, weil ich immer wieder was Neues probiert habe, aber das Alte nicht ganz weglassen wollte.

 

In dem Sinn bist du dann ja schon ins kalte Wasser gesprungen, oder? Beim klassischen Weg der Lehre bekommt man ja eine Art Vertrieb mit. Ich wusste bspw. wie Märkte laufen, wenn ich jetzt an mich als Lehrling denke.

Ja, das stimmt, aber stimmt nur zum Teil. Durch das zweite Studium, das musste ich mir ja auch irgendwie finanzieren, habe ich mitunter in einer Schreinerei gejobbt und zum anderen habe ich Keramik auch für mich gebrannt und bin schon auf ein paar Märkte gegangen.

 

Ja, gut und wahrscheinlich hat man auch viel von seinen Kollegen gelernt, oder?

Ja, also gerade Sebastian Klose und Brigitte Lang (Studiumskollegen). Die Beiden hatte ich extra mal besucht und zu dem Thema mit ihnen gesprochen. Sie haben mir ganz viele Tipps gegeben, wie es läuft, wie man sich bewerben muss und was man umsetzen sollte. Das waren schon wertvolle Tipps. Dazu kommt noch die  Fachschule. Wenn man in Höhr-Grenzhausen wohnt, kann man als ehemaliger Student immer wieder da hinein, wenn man etwas Spezielles gebrannt haben will. Ich habe am Anfang manchmal Sachen mit Siebdruck machen müssen. Das war schon optimal hier.

© janos wlachopulos
© Janos Wlachopulos

Armin Skirde bemalt seine Arbeiten.

Was ist dir aus heutiger Sicht besonders wichtig bei deiner Arbeit?

Da ich ja Geschirr mache, muss das natürlich auch gut benutzbar sein, eine hohe Qualität haben, und auch den Qualitätsansprüchen genügen (z.B. bei der Glasur). Die Überlegung war dann, wo will ich damit hin, in welche Richtung? Nimmt man bspw. das Ikea-Geschirr, das ist ja an sich nicht schlecht, es ist praktisch und austauschbar. Aber was ich sagen will, ist, da ist ein Teil exakt wie das andere. Und damit wollte ich auf gar keinen Fall konkurrieren. Wenn ich in Serie produziere, dann eine kleine Serie und dann müssen die Teile hauptsächlich von der Formgebung und ästhetisch funktional zusammenpassen, aber sie dürfen sich bzw. sollen sich voneinander unterscheiden. Dann dürfen Spuren von Fingern oder Eindrücke bleiben, die ich dann im Laufe der Zeit sogar bewusst hineingemacht habe, um jedem Stück seinen eigenen Touch zu geben. Das ist gerade das Schöne an der Keramik. Keramik ist ein plastisches Material, da dürfen Rillen und Spuren zu sehen sein, die zeigen, dass das man Berührungen verewigen kann. Ich will nichts, was aussieht wie Plastik. Ich will ein keramisches Material, das seinen eigenen, unverwechselbaren Charakter hat.

 

Hat das auch damit zu tun, dass deine Keramik eher archaisch, reduziert wirkt? Das erinnert mich ein bisschen an Höhlenmalerei oder sowas?

Das ist richtig, es hat sich dann einfach entwickelt. Aus dem Material, der Farbe des Tons. Dies ergab eine optimale Kombination mit der Malerei; gerade mit der Höhlenmalerei. Ich habe mich tatsächlich ein Jahr lang mit dem Thema in der Fliesenfirma beschäftigt. Damals habe ich das relativ originalgetreu umgesetzt, heute interpretiere ich es eher frei. Mein Ton hat auch die Farbe von Saharasand und da fand ich einfach, dass sich das gut ergänzt.

Ich glaube, dass man für sich selbst erkennen muss, was man für ein Schaffenstyp man ist, und das sollte in die eigene Keramik einfließen. Ich habe bei der Ausbildung und dem Studium exaktes Arbeiten gelernt und kann das auch. Aber es entspricht nicht meiner Wesensart. Je mehr es einem gelingt diesen Charakter in die eigene Arbeit einfließen, zu lassen, umso authentischer und ehrlicher ist sie. Und dies ist letztendlich vielleicht der größte Unterschied zu industriell gefertigter Keramik.

 

Was machst du am liebsten? Welcher Arbeitsabschnitt hat für die die größte Bedeutung?

Das Drehen, ganz eindeutig, aber auch das Dekorieren.

 

Was machst du nicht so gerne?

Das Glasieren mag ich nicht so gerne.

 

Oh, das sagen viele Keramiker (lacht). 

Und auch das Verkaufen ist mir eher unangenehm. Ich fahre gerne auf Märkte und es macht Spaß sich mit Kollegen und Freunden dort zu treffen und auch interessante Keramik und Keramiker dort zu treffen. Aber mich stresst das Verkaufen. Es gibt schon auch viele nette Kunden, der Kontakt ist auch toll. Auch fördert der Austausch mit den Kunden, die Verbesserung und Entwicklung mancher keramischen Arbeiten. Aber am liebsten würde ich die Märkte einfach nur genießen, ohne an das Finanzielle denken zu müssen.

 

Ist es dann der Druck der Selbstständigkeit? Also, dass man davon leben muss?

Ja, das hat damit zu tun. Ist aber auch ein bisschen entspannter geworden, da ich in den letzten Jahren ganz gut verkauft habe und eine gewisse Kontinuität eingetreten ist. Ich bin da eigentlich ganz entspannt für die Zukunft.

 

Was ist dein wichtigstes Werkzeug und was benutzt du am häufigsten?

Das wichtigste Werkzeug? … Vielleicht die Ziehklinge?

Die Hände?

Ja, außer meinen Händen, die Ziehklinge, der Schwamm, Draht. Noch ein paar Schablonen für Schüsseln.

 

Und wie setzt du deine Malerei um?

Mit dem Malhörnchen.

 

Bei wie viel Grad brennst du deine Stücke?

Bei 1240°C, überwiegend im Elektroofen.

 

Du hast mal einen Holzbrand gemacht, oder? Würdest du das mehr machen wollen?

Ja, sehr gerne. Diese Idee ist durchaus noch in meinem Kopf. Wir haben eigentlich einen großen Garten. Da habe ich schon öfter überlegt, ob man da einen kleinen Ofen bauen könnte. Ich müsste mich da erstmal mit Leuten einarbeiten, die sich da auskennen. Auch besteht die Frage, ob das erlaubt wäre.

 

Warum sollten Leute deine Keramik kaufen, bzw. warum kaufen sie deine Keramik?

Ich hoffe immer, dass ich die Leute überzeugen kann, dass die Keramik gut und funktional ist. Natürlich muss es ihnen gefallen. Also mich freut es immer, wenn Leute nach Jahren sagen, dass es ihnen immer noch gut gefällt; bzw. dass es für sie mit der Zeit sogar dazu gewonnen hat.

Armin beim Drehen.

Drehen an der Töpferscheibe Keramikwerksatt Armin Skirde
© Janos Wlachopulos

Was treibt dich zu neuen Ideen an?

Ja, eigentlich das Umfeld. Der Alltag? Also eigentlich arbeite ich, auch ohne Ton, immer ein bisschen im Kopf weiter und überlege, was ich noch machen könnte oder was ich noch probieren möchte. Während der Corona-Zeit konnte ich einiges probieren. Viel Neues entwickelt sich auch durch Wettbewerbe, weswegen ich sie ganz gerne mitmache. Wenn da ein Thema vorgegeben wird, muss ich mich damit auseinandersetzen. Durchaus entwickeln sich da auch schon mal Produkte, die ich gerne weiterführe bzw. weiterentwickle.

 

Auch wenn es schon fast beantwortet ist: Kannst du davon leben?

Ja, auf jeden Fall. Man wird kein Millionär, aber ich bin mit meinem Leben zufrieden und habe nicht das Gefühl, dass ich mich sehr einschränken muss.

 

Was macht für dich gute Keramik aus?

Zum einen die Originalität, natürlich auch die Qualität, die Optik und die Authentizität.

 

Auch wieder Ehrlichkeit, oder?

Ja genau, also mich stört es, wenn ich das Gefühl habe, jemand hat einem anderen etwas zu offensichtlich nachgemacht, dass es zu offensichtlich nachgemacht ist. Man wird natürlich inspiriert von allem, was man sieht. Natürlich auch von anderen Keramiken. Aber am Ende muss was Eigenes dabei rauskommen.

 

In Höhr-Grenzhausen kümmerst du dich ja auch um internationale Gäste. Aus welcher Inspiration heraus machst du das?

Richtig, zum einen kenne ich Keramiker aus ganz Europa. Irgendwie fühl ich mich da ein bisschen verantwortlich, bzw. freue ich mich befreundeten Keramikern Höhr-Grenzhausen zu zeigen und natürlich auch die keramische Welt nach Höhr-Grenzhausen zu bringen und hier zu zeigen.

 

Du bist schon auch ein Netzwerker, oder?

Ja, es gab Phasen, da war ich auf mehr Märkten im Ausland als im Inland.

 

Dann auch quer durch Europa?

Ja, in Italien, England, Frankreich, Belgien, Niederlande, Österreich und in Katalonien, …

 

Sind das für dich das bessere Geschäft dort, die Atmosphäre oder die Verbindung mit dem Urlaub?

Es sind verschiedene Gründe. Ich reise gerne und als Keramiker hast du im Sommer nicht viel Zeit, um in den Urlaub zu fahren. Da passt das eigentlich ganz gut mit den Märkten. Man bleibt dann auch mal etwas länger vor Ort. Es ist auch die Inspiration. Du siehst andere Keramik. Du bist in England, Frankreich, Spanien, Italien, Österreich, Tschechien, egal wo, du siehst andere Sachen und auch andere Menschen, andere Charaktere.

In jedem Land, wo ich hinfahre, bin ich dadurch mit ein paar Keramikern befreundet, und da ist dann wahrscheinlich wieder der Zusammenhang mit der Betreuung von Gästen, weil ich da schon Kontakte  habe, bei denen ich denke, es wäre doch toll, wenn die mal herkämen. Das sehe ich gar nicht als Arbeit, das mache ich eigentlich gerne. Ich möchte natürlich auch, dass es den Leuten, die hierherkommen, gefällt.

 

Gibt es einen Kollegen bzw. Arbeiten, die du besonders schätzt oder die dich beeinflusst haben?

Das ist zum einen der Hervé Rousseau, den finde ich natürlich super. Auch viele andere Holzbrenner. Inspiriert hat mich auch Terry Davies, aber auch Leute, die ganz anders arbeiten, als ich selbst, wie bspw. auch Fritz Roßmann. Thomas Naethe fand ich darüber hinaus auch interessant. Auch Johannes Peters ist nicht zu vergessen. Seine Art Geschirr zu machen hat mich sehr inspiriert.

 

Könntest du dir vorstellen, was anderes zu machen?

Hm, [Nach etwas überlegen], Schriftsteller, Bücher schreiben. Sowas würde mir Spaß machen. Da fehlt mir aber das Schreibtalent. Lustige Geschichten und Erlebnisse hätte ich genug parat. Teilweise könnte ich sie fast schon nach Themen ordnen. Aber vielleicht habe ich da auch eine zu verklärte Vorstellung; mit Häuschen am Meer; ein Gläschen Wein, … und dann einfach losschreiben.

 

Wo findet man deine Keramik?

Also erstmal bei mir hier.

 

Hast du auch feste Öffnungszeiten beziehungsweise, wenn du in der Werkstatt bist, sind Besucher willkommen, oder?

Im Grunde genommen ist es immer das Beste, dies vorher telefonisch oder per E-Mail auszumachen. In der Regel bin ich da. Ansonsten findet man meine Keramik auf den Keramikmärkten. Es gibt auch ein paar Läden, in Rheinsberg, in England gibt es zwei Galerien. Da kann man sich auch über meine Website informieren.

 

Was bedeutet der Standort Höhr-Grenzhausen für dich?

Mittlerweile ist es natürlich schon das Zentrum meines Lebens geworden und zusammen mit Würzburg meine Heimat. Das wächst mit dem Umfeld, auch mit den Freunden und der Familie. Ich fühl mich sehr wohl hier.

 

Sehr schön – Dankeschön, Armin.


Keramik All Incl.

Projekt "Keramik all inclusive"

14. März 2022| Keramik, Kultur

Keramik

Ausstellung von 25. März bis zum 3. Juli 2022 im Keramikmuseum

Zusammen mit der Nassauischen Sparkasse, die gezielt nachhaltige und sozial engagierte Projekte in der Region fördert, setzt sich das Keramikmuseum Westerwald aktiv für die Gleichstellung von Menschen mit einer Behinderung ein und hat das Projekt „Keramik all inclusive“ gestartet.

Erste Kontaktaufnahmen mit den Caritas-Werkstätten Westerwald-Rhein-Lahn fanden in den Sommermonaten statt. Im Freien arbeiteten die Beschäftigten der Betriebsstätte Nauort mit Ton und machten so ihre ersten Erfahrungen mit dem Material. Für das Projekt im Museum meldeten sich 10 Interessierte an. Sie arbeiteten seit Anfang November unter professioneller Begleitung in der großen museumspädagogischen Werkstatt an ihren eigenen Kunstwerken. Die während dieser Zeit entstandenen Arbeiten werden in einer Ausstellung von 25. März bis zum 3. Juli 2022 präsentiert.

Für die Beteiligten, deren Interesse an der Keramik geweckt wurde, wird nach dem Projekt eine inklusive Gruppe gestartet, in dem Menschen mit und ohne Behinderung miteinander im kreativen Prozess sich gegenseitig unterstützen und bereichern.

Video: Articus & Roettgen


Roland Giefer - Schlondes-Geschichten

Buchvorstellung Schlondes-Geschichten, Interview mit dem Autor Roland Giefer

1. März 2022| Keramik, Kultur

Keramik

Wir haben uns mit Roland Giefer getroffen und über sein kürzlich veröffentlichtes Buch Schlondes-Geschichten gesprochen.

Das Buch enthält u.a. spannende Geschichten rund um den Schlondes. Unter Schlondes bezeichnet man hier im Westerwald, den offenen überdachten Raum vor den Feuerungsöffnungen (Feuer­schlund) eines Kannen­ofens.

Roland Giefer - Schlondes-Geschichten

Roland Giefer

Bevor wir ins Interview einsteigen, vorab noch die Buchbesprechung von Eggert Peters

Roland Giefer: Schlondes-Geschichten
Herausgeber: Dokumentationszentrum Kannenbäckerland e.V. – DKZ
Erhältlich im Keramikmuseum Westerwald, Höhr-Grenzhausen, Lindenstraße 13
Preis 25 Euro
293 Seiten

Dieses Buch ist ein Glücksfall für jeden an Geschichte und Kulturgeschichte des Kannenbäckerlandes Interessierten! Mit seinem Titel und dem Untertitel: „Das Töpferhandwerk nach dem II. Weltkrieg in der Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen“ kommt es zunächst mit einem sehr bescheidenden Anspruch daher. Natürlich gibt es jede Menge „Geschichten“, aber es ist viel mehr enthalten.
So finden sich neben den Namen wichtiger Töpfer und deren Betriebe weiterführende Kapitel über die Töpfer- und Keramiker-Innung ebenso wie über die Keramische Ausbildung in Höhr-Grenzhausen.
Der angenehme Plauderton täuscht aber nicht darüber hinweg, dass es letztlich um den Niedergang einer ehemals bedeutenden handwerklichen Sparte geht. Der Autor selbst hat sich als Innungsmeister über viele Jahre intensiv für das Handwerk und die dessen Anerkennung eingesetzt und ist damit der Experte für dieses Fachgebiet.

Aus allen seinen Schilderungen leuchtet letztlich das Ringen um Qualität und Innovation heraus; dass diese Bemühungen in Handwerk, Gestaltung und technischer Verbesserung dann doch nicht zu einer neuen Blüte geführt haben, ist hier zunächst nur festzustellen.
Dadurch, dass viele Quellen verwendet wurden und die Kapitel durch eigenes Erleben und die Schilderungen von Zeitzeugen „illustriert“ wurden, ist es eine Freude darin zu lesen oder zu schmökern; das Buch kann aber auch mit Gewinn zum Nachschlagen dienen. Dies rührt auch daher, dass sich der Autor der Mühe unterzogen hat, ein Glossar und ein ausführliches Namensregister anzufügen; damit ist das Werk auch wegen der heimatkundlichen und familiären Zusammenhänge von großem Wert.

Die Herstellung des Buches war nur durch die Unterstützung mehrere Institutionen möglich und infolgedessen konnte das Buch auch preiswert sein. Der Autor hat somit ein erfolgreiches „Sponsoring“ betrieben.
Eggert Peters

Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis des Buchs

Roland Giefer - Schlondes-Geschichten
Roland Giefer - Schlondes-Geschichten

Interview mit Roland Giefer

 

Lieber Roland, magst du dich kurz vorstellen?

Mein Name ist Roland Giefer. Ich bin am 11.8.1954 geboren, hier in Höhr-Grenzhausen und bin nach meiner Schulzeit im elterlichen Betrieb in die Lehre gegangen. Habe dann 1972 die Gesellenprüfung gemacht und 1976  als jüngster Meister meine Meisterprüfung abgelegt.

Seitdem war ich bei meinen Eltern beschäftigt und habe dann 1991 den Betrieb von meinen Eltern übernommen und ihn unter meinem Namen weitergeführt. 
Ich bin dann einige Jahre später, nachdem ich schon seit 1979 ehrenamtlich tätig war, 1999 Obermeister der Töpfer- und Keramiker-Innung geworden, bis zu meiner Geschäftsschließung im Jahr 2017. Danach bin ich Mitglied im DZK [Anmerkung der Redaktion: Dokumentationszentrum Kannenbäckerland e.V.] geworden und habe angefangen, die Geschichten meiner Kollegen aufzuschreiben.

 

Du hast dann das Buch Schlondes-Geschichten geschrieben, wie kam es denn dazu?

Ja, es kam eigentlich schon vorher dazu, bevor ich zum DZK kam, wurde ich vom Vorsitzenden des DZKs, Ernst Moritz Arndt, gebeten, unsere Chronik aufzuschreiben. Das habe ich dann auch gemacht, relativ kurz in zwei Schreibmaschinenseiten und als ich dann, wie gesagt, 2017 Mitglied im DZK wurde, habe ich ihn gefragt, wie viele Chroniken er denn schon zusammen hätte. Da hat er mir gesagt, ich wäre der Einzige, der ihm eine Antwort geschrieben hat und dann sagte er: „Das wäre doch mal eine schöne Aufgabe für dich diese Chroniken der Töpfereien zu sammeln. Du kennst die ja alle“. Und dann habe ich gesagt: Ja, das mach ich gerne, und bei dieser Arbeit wurde das wirklich schnell eine spannende Geschichte, sodass ich dann diese erst mal kurz angedachten Chroniken später auch zu kleinen Geschichten ausgearbeitet habe.
Ja, an ein Buch hatte ich da immer noch nicht gedacht. Ich habe gedacht, das mache ich alles für das Archiv im DZK-Keller und bis dann irgendjemand mich gefragt hatte, ich glaube, das war sogar der Günther Schwickert, ob ich da nicht ein Buch draus machen wollte. Und dann habe ich erst einmal gestutzt und meinte, ja, mal sehen, was da zusammenkommt. Ja, und als das dann so spannende Geschichten wurden, die mit viel Detektivarbeit dann recherchiert wurden, habe ich das Ganze dann noch ergänzt mit, ich sage mal, Streifzügen durch die Jahrzehnte, wo ich dann so ein bisschen die politische, gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung der einzelnen Jahrzehnte kurz aufgezeichnet habe und bin natürlich auch auf die Entwicklung der Keramiken eingegangen.
Ergänzt wurde das Ganze durch zwei größere Aufsätze über die keramische Ausbildung und über die keramische Töpferinnung, die ja 1947 von Rudi Stahl gegründet wurde und praktisch der Beginn dieser handwerklichen Ära ist.
Ja. Zum Schluss kam dann noch eine kleine Geschichte dazu, das „kleine Feuer“. [Anmerkung, Auszüge gibt’s auch hier zu lesen]

 

Jetzt hast du meine dritte Frage auch schon ein bisschen beantwortet, worum geht es in deinem Buch?

Es geht um die Geschichte der Werkstätten, hier in der Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen, die, im Gegensatz zu früheren Eulereien [Anmerkung der Redaktion: Eulerei war die Bezeichnung für die Werkstätten, in denen die Herstellung der Keramikware stattfand, heute würde man diese als Töpfereien bezeichnen], jetzt Handwerksbetriebe waren. Die Eulereien gehörten ja der Industrie- und Handelskammer an, waren also mehr Fabrikanten und durch die neue Ordnung der Handwerkskammer nach dem Kriege entstanden dann die Handwerksberufe, wozu dann auch die Keramiker zählten. Zum Beispiel die Köche nicht. Die Köche sind weiter IHK-Berufe geblieben.

 

Ah okay.

Ja, es geht darum. Und um diese Entwicklung der handwerklichen Ausrichtung, des Töpferhandwerks. Dazu gehört natürlich auch alles, was dazugehört: Ausbildungspläne und Prüfungsverordnung und, und, und …

Roland Giefer - Schlondes-Geschichten

Weiterer Blick ins Buch.

Warum dieses Thema? Wahrscheinlich liegt es natürlich nahe, selbst als Keramiker ein keramisches Thema aufzugreifen oder ist natürlich schon im Vorfeld erwähnt, dass das so ein bisschen über das DZK kam?

Ja, wie gesagt, das Keramikhandwerk, es entstand ja dann tatsächlich eine Ära dieses Handwerks und deswegen sehe ich das Buch auch so ein bisschen als Fortsetzung des Buches von Heribert Fries, „Kurrimurri“, der also die Entwicklung der Eulereien beschrieben hat, die ja dann in den 50er/60er Jahren verschwanden. Auch die Kannenöfen verschwanden in den 60er Jahren durch die Entwicklung des gasbeheizten Brennofens/Salzbrandes. Das Keramikhandwerk hatte dann seine Blütezeit wiederum ab Mitte der 70er Jahre bis Mitte der 90er Jahre.
Und danach ging das Ganze wieder etwas zurück. Die nächsten Generationen, die danach kamen, sahen sich nicht mehr so dem Handwerk hingezogen. Die haben hier in Höhr-Grenzhausen ihre Ateliers aufgemacht und arbeiteten mehr so auf der künstlerischen Schiene und sorgten so dafür, dass hier eine neue Vielfalt in Höhr-Grenzhausen entstand. Also das Grau-Blaue, wofür das Kannenbäckerland berühmt war, ist allmählich verschwunden, es gibt ja nur noch zwei Betriebe, die es wirklich machen. Aber wir haben aktuell eine sehr lebendige keramische Szene hier in Höhr-Grenzhausen.

 

Das stimmt, und das ist es ja letzten Endes dann auch den Ausbildungsstätten oder den Schulen zu verdanken, …

Natürlich, spielte die keramische Fachschule eine große Rolle und viele der heutigen Keramiker haben noch in einem Handwerksbetrieb ihre Lehre gemacht. Das wird sich im Laufe der Zeit verändern.

 

Oder hat sich schon verändert? 

Und hat sich schon verändert. Wohin es letztlich führt – ich bin kein Hellseher.

 

Für wen ist dieses Buch geschrieben und wer sollte es lesen? Es ist ja schon ein recht spezielles Thema. 

Es ist ein spezielles Thema, es ist aber auch auf der anderen Seite ein kleines Zeitdokument, hier für den Unterwesterwaldkreis, sprich: Kannenbäckerland, insbesondere auch für die Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen. Und für diesen Personenkreis, wie soll ich sagen, landschaftlich eingegrenzt, ist das Buch sicherlich sehr interessiert. Deswegen ist das Buch auch nicht in einem Verlag erschienen, sodass es bundesweit erhältlich wäre, sondern wird exklusiv hier im Keramikmuseum, gegen eine geringe Schutzgebühr verkauft.

Roland Giefer - Schlondes-Geschichten

Neue Kunsthandwerker

Das war ja dein erstes Buch, dass du geschrieben hast. Wie fängt man an zu schreiben? Hat man ein System? Oder gibt es eine Art Storyboard? Oder fängt man einfach irgendwo an? Wie geht man da vor? Vor allem als, letzten Endes, Autodidakt.

Ja, das berühmte weiße Blatt Papier, vor dem man erstmal sitzt. Aber das ist eben im Laufe der Zeit, wie anfangs beschrieben, entstanden. Es ging eigentlich nur darum, für das DZK dokumentarisch Chroniken zu sammeln, die mehr tabellarisch waren. Und dann wurden daraus Geschichten, ich hatte ja, wie gesagt, viele Kollegen dann interviewt. Ich habe im Archiv des DZK danach gesucht, was die noch lebenden Zeitzeugen oft auch nicht mehr wussten über ihren eigenen Betrieb, es wurde also viel recherchiert und dann noch gegen gefragt, der ein oder andere erinnerte sich an gewisse Dinge noch, an besondere Begebenheiten und so weiter.

 

Das heißt, man arbeitet eigentlich dann auch tatsächlich erst mal mehr in Abschnitten. Das Buch ist ja auch so aufgebaut?

Ja, das sind viele Bausteine, die nachher zum Buch zusammengesetzt werden.

 

Genau, also das heißt, man sucht sich einen Abschnitt raus und das ist dann erstmal das Thema für eine gewisse Zeit und bis man fertig recherchiert hat?

Ja, ich habe zum Beispiel mit unserer eigenen Werkstatt angefangen.

 

Interessant, das ist natürlich erstmal am naheliegendsten, am einfachsten in der eigenen Schublade zu kramen. 

Ja, dann habe ich mich beeilt, die Werkstätten zu beschreiben, wo dann noch alte Leute da sind, bevor es spät ist.

 

Wie lange hast du an deinen Geschichten gearbeitet oder letzten Endes an deinem Buch? 

Insgesamt waren es 4 Jahre, natürlich mit Unterbrechungen, teils durch Krankheit und so weiter. Aber wie gesagt, angefangen habe ich, seitdem ich Mitglied im DZK wurde, 2017, und jetzt ist es fertig.

 

Gab es einen Höhepunkt in deiner Arbeit, ein Erlebnis, was dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Also, ich muss sagen, dass meine Kollegen, die ich dann besucht habe, sich sehr darüber gefreut haben und einige haben mich wirklich sehr unterstützt und haben überall herumgewühlt, im Keller oder auf dem Speicher, in alten Unterlagen, alte Fotos herausgesucht und haben mich dann auch bei meinen Besuchen immer, zum Teil, köstlich bewirtet, sag ich mal, und das waren einfach schöne Erlebnisse. Ich hatte ja auch viele gemeinsame Zeiten mit denen und man hat sich halt eben zusammen erinnert und so ist das halt eben auch bei den Gesprächen entstanden. Also, manche Dinge sind…

 

Dass man ins Plaudern gekommen ist, letzten Endes.

Ja, Dinge, an die ich mich dann selber erinnert habe. Wir hatten durch die Zusammenarbeit mit der Innung, oft auf Tagungen oder auf Bundestagungen, die alle 2 Jahre stattfanden, was immer bundesweit große Ereignisse waren. Man hatte zusammen gefeiert, alle möglichen Städte in Deutschland besucht und das hat wirklich verbunden, mit allen.

 

Das heißt, man hat sich eigentlich fast auch nochmal kennengelernt, vielleicht …. Also gewisse Sachen kennt man ja, oder hat man dann vielleicht gemeinsam erlebt. Aber da ist ja bestimmt auch vieles dabei, was man eben nicht wusste, oder? Oder was dann plötzlich einen Sinn ergeben hat? 

Ja, ich denke, ich bin ja ein Kind dieser Generation und wir haben die Zeit ja gemeinsam erlebt. Und wenn man dann ins Erzählen kommt, dann erinnert sich der eine an was und der andere an was, und „Ach ja genau!“. So sind diese Geschichten entstanden.

Ausblick, das Feuer am Leben halten.

Roland Giefer - Schlondes-Geschichten
Roland Giefer - Schlondes-Geschichten

Hattest du ja schon erwähnt, aber nochmals gezielt gefragt, wo kann man dein Buch kaufen? 

Exklusiv im Keramikmuseum im Museumsshop, gegen eine Schutzgebühr von 25 €.

 

Oder kann man dich für den Erwerb des Buches auch kontaktieren? 

Mich kann man auch persönlich kontaktieren, Bücher verkaufen oder versenden kann ich aber leider nicht.

 

Wirst du weiterschreiben?

Ich möchte weiterschreiben. Ich habe ja schon angedeutet, dass spätestens ab den 80er Jahren eine neue Generation von Keramiken die Verbandsgemeinde mit ihrer Vielfalt bereichert hat und über diese Generation möchte ich ein weiteres Buch schreiben. Das sind bestimmt auch wieder mindestens an die 30 Werkstätten und Ateliers, die ich besuchen möchte.

 

Über wie viele Werkstätten hast du es jetzt berichtet? Hast du das im Kopf? 

Das waren jetzt 15.

 

Das werden dann aber entweder noch zwei Bände oder ein dickes Buch. 

Wobei das dann nicht so den Charakter einer Chronik haben wird, sondern wohl mehr den Charakter einer Biografie haben wird.

Klar, weil es vielleicht auch, natürlich noch, im hier und jetzt sich immer mehr befindet oder sowas, ja. 

 

Eine Sache noch, wie hast du das Buch finanziert?

Die Finanzierung des Buches war nur möglich, weil einige Sponsoren mich darin unterstützt haben, unter anderem auch die Stadt Höhr-Grenzhausen, die Günter-Schwebsch-Stiftung, die Gesellschaft für Stadtgeschichte und Kultur, so wie die Firma Wepa.

 

Das war es schon im Prinzip, Roland. Vielen Dank für das schöne Gespräch.

 

Tipp:

Eine kurze Geschichte, das kleine Feuer aus dem Buch Schlondes-Geschichten findet sich hier bei uns.