7. Januar 2022| KERAMIK, WERKSTATTGESPRÄCHE

Werkstattgespräch mit Peter Eichelberg

Individuelle Kachelöfen? Besondere Badgestaltungen oder aufwendige Restaurationen?

Peter Eichelberg produziert in seiner Werkstatt alles, was mit Baukeramik zu tun hat. Fassaden für Berliner Altbauten oder Kachelöfen für individuelle Kunden.

Wie lebt und arbeitet es sich in Höhr-Grenzhausen? Wir haben Peter Eichelberg in seiner Werkstatt besucht und interessante Geschichten gehört.

© Janos Wlachopulos

Peter Eichelberg in seiner Werkstatt.

Seit wann lebst und arbeitest du in Höhr-Grenzhausen, was hat Dich dazu bewegt hierher zu kommen, aber auch hierzubleiben?

Hergekommen bin ich 1989, um den Meisterkurs für Keramik an der Fachschule für Keramik-Gestaltung zu machen und bin dann anschließend hiergeblieben, weil es grade so ein Zeitpunkt war, an dem ich keine Lust mehr hatte, ständig umzuziehen [lacht]. Zunächst bekam ich eine Stelle im Berufsfortbildungswerk des DGB. Dort habe ich die Keramikabteilung übernommen, ein eigenes keramisches Programm erarbeitet und das dann mit den Teilnehmern umgesetzt. Später bekam ich ein Arbeitsangebot der Fachschule die Drehwerkstatt zu leiten. Doch gleichzeitig war auch der Wunsch da, mich selbstständig zu machen. Nach langem abwägen habe ich mich dann tatsächlich für die Selbstständigkeit entschieden und das Angebot abgelehnt. Ich hatte zu dieser Zeit auch schon eine Werkstatt gefunden, sie aufwendig renoviert, das war 1998 und seitdem arbeite ich hier.

 

Wie bist Du zum ersten Mal mit Keramik in Berührung gekommen?

„Zum allerersten Mal??“

Ja, schon.

Da gab’s in Kleinmachnow hinter der Schule den Bäkebach mit einer großen Feuchtwiese, mit Orchideen und allem möglichen Zeug und wir sind da immer runter und haben dort einfach, nach der Schule oder in irgendwelchen Pausen, gespielt und da habe ich dann irgendwann am Bach, aufeinmal irgendetwas Graues gefunden, was schmieriges, ich weiß nicht warum, ich hab irgendwie gedacht, das ist Ton. Dann hab ich mir so einen Batzen mit nach Hause genommen und zu Hause angefangen damit rumzubasteln. Ich weiß nicht, woher ich das wusste, ich habe nur erfahren, dass wenn alles trocken ist, muss man das irgendwie brennen und hab es in den Backofen reingeschoben. Bei 200 °C passiert natürlich nichts, es wird ein bisschen fester, es ist halt immer noch Ton, kein gebranntes Material, das war’s dann auch. Ja, das war so das erste Mal [lacht].

Dann ist mir die keramische Arbeit wieder begegnet im Studium zur Sozialpädagogik in München. Da hatten wir das Fach Gestalten. Später nachdem ich in Bamberg gelandet bin habe ich Hausaufgabenbetreuungsstelle geleitet. Dort konnte ich auch das Arbeiten mit Ton einfließen lassen. Das war mir ab einem gewissen Zeitraum zu wenig, was mein gestalterisches Bestreben angeht. So bin ich auf den Gedanken gekommen, ich könnte eigentlich mal gucken, was man mit Ton noch machen kann. Dann habe ich mir Werkstätten ausgesucht, die etwas spezielles machen und in der Nähe sind. So bin ich in der Nähe von Nürnberg in Burgtann gelandet bei Herrn Kuch, der mir leider keine Lehrstelle anbieten konnte. Irgendwie habe ich erfahren, das sein Sohn auch Keramiker ist. Matthias Kuch wohnte ganz in der Nähe. Er meinte; “Ich kann dir zwar keine Lehrstelle anbieten, aber mach doch erstmal ein Praktikum bei mir.” Und ich dachte; “Ja ist eigentlich eine gute Idee, mach ich.” Ich habe das Praktikum dann dort begonnen, dort gelebt und gearbeitet.

Das war der Einstieg ins Drehen. Gemeinsam haben wir die Öfen gebrannt, experimentiert und viel mit Keramik gemacht. Als das Jahr vorbei war, wollte ich unbedingt eine Lehrstelle finden.

Ich habe gesucht, aber das ging nicht ganz so schnell, denn zu dieser Zeit war es total begehrt, eine Keramikerlehrstelle zu haben.

 

Wo hast Du Deine Ausbildung gemacht?

In der Nähe von Miesbach habe ich dann 1982 tatsächlich eine Lehrstelle gefunden bei Heidi Schiemann und einen Lehrvertrag gemacht. Das ging leider nur ein Jahr. In der Zwischenzeit hatte ich schon andere Keramiker kennengelernt, unter anderem Günther Hermanns. Der hat mich für den Rest der Ausbildungszeit aufgenommen, er konnte mir zwar kein festes Lehrgeld zahlen, doch ich konnte für ihn Honigtöpfe drehen, die er mir bezahlte. So habe ich ca. 40 Honigtöpfe am Tag produziert und den Rest der Zeit hat er mir alles Mögliche beigebracht. Nach anderthalb Jahren habe ich gedacht, jetzt müsste ich mal die Gesellenprüfung machen. Aber aus der Gesellenprüfung ist dann eher eine Gesellenwanderung durch allerlei Werkstätten geworden. 

Moderne Tischgestaltung im Auftrag für Studio Aisslinger.

© Jens Bosenberg

Warum Keramik?

Es ist ein Mittel sich künstlerisch auszudrücken, oder überhaupt gestalten zu können, etwas Neues zu schaffen, was man selber mit den Händen machen kann.

 

Bist Du Keramiker oder Künstler?

Tja. Also ich denke, die Keramik ist nur ein Mittel des Ausdrucks, es könnte auch ein anderes Material sein. Ich bin jetzt einfach bei der Keramik hängengeblieben. Weil man kann sich an einem mal abarbeiten. Vielleicht ist der Pinkt sowieso schon erreicht. Wäre es Zeit für ein neues Gewerk? Ich bin schon ein gestaltender Mensch. Ob man das als  Kunst bezeichnet, ist immer noch eine andere Sache. Also da möchte ich mich gar nicht so hochheben. Ich mach halt was, was einen gewissen ästhetischen Anspruch und Inhalt hat, sodass man bei meinen Endprodukten das ein oder andere auch raus spüren kann, wenn man sich länger damit beschäftigt.

 

Was bildet den Schwerpunkt in Deiner Arbeit? Was ist Dir dabei besonders wichtig?

Das Ganze ist ein Entwicklungsprozess über die Zeit. Hauptanliegen war in den ersten Jahren, etwas Eigenes zu gestalten. Doch dann holt einen relativ bald die wirtschaftliche Notwendigkeit ein, das heißt du musst etwas machen, was Du auch verkaufen kannst und nicht nur, etwas bauen, was schön aussieht oder irgendwo rumsteht. Es hat eine gewisse Berechtigung, aber irgendwann fehlt dann das Geld in der Kasse. Da musst du gucken, das da auch was läuft. Das ist eigentlich manchmal ein fauler Kompromiss, wo ich auch aufpassen musste mich nicht zu prostituieren, vor dem Kunden. Also dem Kunden zum Gefallen alles zu tun, das mache ich nicht. Das habe ich aber ziemlich schnell abgelegt. Da bin ich auch in die Falle getappt die ersten Jahre. 

Anfänglich habe ich hauptsächlich Kachelöfen entworfen und die Kacheln dafür gefertigt. Dafür habe ich den Kunden zunächst Modelle im Rohzustand gezeigt. Sie waren anfangs oft überrascht, doch eigentlich immer begeistert. Mir ist schon wichtig, dass ich mich intensiv mit dem Kunden beschäftige, sie zuhause besuch, das Gebäude, das Umfeld und ihre Hobbys kennenlerne. Diese Eindrücke fließen dann in das Modell ein.

Der Schwerpunkt ist damit die Gestaltung. Die Bandbreite ist unendlich, momentan lande ich immer wieder in der Reproduktion, von Fußbodenplatten, Wandplatten und anderen Dingen. Das ist jetzt nichts kreatives aber vielleicht kommt das andere wieder.

 

Welches Ziel verfolgst Du?

Gestaltend tätig zu sein und davon leben zu können.

 

Was machst Du am liebsten, welcher Arbeitsabschnitt hat für Dich die größte Bedeutung?

Jedes Produkt hat viele Entwicklungsschritte, die zum Endprodukt führen. Der gestaltende Part am Beginn macht mir am meisten Spaß, dann aber auch die technische Umsetzung. Selten gibt es dort Standardformate, meistens ist es ziemlich kompliziert. Das erfordert unkonventionelle Lösungen. Herausfordernd ist auch die Oberflächengestaltung die mit Farbe und Struktur zusammenhängt.

© Janos Wlachopulos

Peter Eichelberg arbeitet in seiner Werkstatt.

Was machst Du nicht so gerne?

Serienproduktionen mit sich immer wiederholenden Arbeitsschritten. Sie ist vielleicht gut für den Geldbeutel, aber total langweilig [lacht]. 

 

Was ist Dein wichtigstes Werkzeug, was benutzt Du am häufigsten?

Eigentlich mehrere. Am meisten in der Hand habe ich mein Messer.

 

Wie lange arbeitest Du an einem Stück?

Bei einem Kachelofen, gezählt vom ersten Kundenkontakt bis hin zum Aufbau beim Kunden, können gut und gerne drei bis vier Monate ins Land gehen. 

 

Bei wie viel C° brennst Du Deine Stücke? 

Unterschiedlich, zwischen 1100 und 1200 °C kann man sagen.

© Janos Wlachopulos

Peter Eichelberg arbeitet in seiner Werkstatt.

Warum sollte jemand Deine Keramik kaufen?

Nur dann, wenn sie ihn anspricht, berührt oder wenn er eine eigene Verbindung dazu aufbauen kann. Da ich ja keine Serienware herstelle ist die Frage nicht ganz passend. Es ist eher andersherum. Die Kunden geben mir den Auftrag, ich soll etwas für sie machen. Und wenn sie die Modelle sehen sind sie überrascht, es  spricht sie positiv an und meistens wird  daraus ein Auftrag.  

 

Was treibt Dich zu neuen Ideen an?

Alles Mögliche. Zum einen kommen Kunden, treiben mich an und bringen Ideen mit. Zum anderen wenn ich einfach durch die Natur laufe und sehe plötzlich was, sei es ein Schattenspiel, ein Farbspiel sei es etwas Formales etwas florales was auf etwas  Geometrisches trifft. Wenn man in der Stadt rumläuft kann mich das total zum ausprobieren inspirieren. Ich habe dafür eine Ideenbox. Ich skizziere dann meine Ideen, schreibe etwas dazu, Deckel auf und zack in die Box. Falls mir die Ideen ausgehen, kann ich da hineinschauen. Habe ich allerdings noch nie wieder reingeguckt. [lacht]. 

 

Kannst Du davon leben?

Zusammen mit ein paar Nebenjobs klappt’s.

 

Was macht für Dich gute Keramik aus?

Wenn etwas von demjenigen spürbar ist, der das gemacht hat, es mich etwas berührt. Was von dem Stück ausgeht, aber letztendlich was der der es gemacht hat hineingegeben hat.

Individuelle Badgestaltungen.

Gibt es einen Kollegen bzw. Arbeiten, die Du besonders schätzt oder die Dich beeinflusst haben?

Ich will es so sagen: In der Anfangszeit, in der ich Keramik gemacht habe, habe ich mehrere Leute bewundert und wollte unbedingt bei denen arbeiten. Irgendwann habe ich gedacht, momentmal jetzt ist es aber mal gut.

Wenn du wirklich was eigenes machen willst dann musst du auch mal alles sacken lassen und die anderen Leute einfach ausblenden. Und mal gucken das du selber auf eine neue Spur kommst. Deswegen kann ich nicht sagen der eine oder der andere hat mich total inspiriert, ich habe bei jedem etwas mitgenommen. Was mich irgendwie ein Stück weitergebracht hat, bei meinem eigenen Arbeiten und Tun. Ich konnte es aber erst wirklich umsetzen als ich mich selbstständig gemacht habe.

 

Könntest Du Dir auch vorstellen etwas anderes zu machen und wenn was?

Ich sehe meine verschiedenen Ausbildungen als aufeinander aufbauend, miteinander kombinierbar. Ich denke alles ist notwendig gewesen um dort hinzukommen wo ich jetzt bin. Und selbst wenn ich jetzt etwas ganz anderes machen würde, zum Beispiel etwas mit Pflanzen, so spielt auch dort der gestalterische Aspekt die Rolle. Mittlerweile weiß ich, ich muss nicht unbedingt nur den Ton in der Hand haben, ich kann auch ein anderes Material benutzen. Der Ton bietet unendliche Möglichkeiten etwas zu machen hat aber auch den Nachteil, dass man unkonzentriert damit arbeitet und den Weitblick verliert. Wenn ich eine Skulptur aus Stein hauen würde, muss ich vorher genauer überlegen, was ich herausholen will. Was ab ist, bleibt ab. Beim Ton kann ich auch wieder was an fügen. Andere Materialien fordern vielleicht mehr Weitsicht.

 

Wo findet man Deine Keramik?

Meine Keramik findet man theoretisch auf meiner Internetseite, die es aber noch nicht wirklich gibt. Ansonsten jährlich auf dem Keramikmarkt in Höhr-Grenzhausen. Man kann mich, nach telefonischer Absprache, aber auch hier in meiner Werkstatt besuchen. 

 

Was bedeutet der Standort Höhr-Grenzhausen für Dich?

Es gibt hier wahnsinnig viele Kollegen, mit denen man sich austauschen kann, wenn man will. Darüber hinaus hat man alle Materialien vor Ort. Auch die Zusammenarbeit und der fachliche Austausch mit der ansässigen Industrie oder Manufakturen ist interessant, insbesondere für Großaufträge. Hier gibt es regen, fachlichen Austauch.