1. Februar 2021| Keramik

Keramikporträt der Töpferei Girmscheid

Im Werkstattgespräch mit Joachim Ermert, Inhaber der Töpferei Girmscheid, wird der Blick auf eine der traditionellen Keramikwerkstätten in Höhr-Grenzhausen gerichtet. Wie arbeitet ein Traditionsbetrieb, der seit 1884 besteht und ausschließlich salzglasiertes Steinzeug produziert? Wir haben uns lange miteinander unterhalten und spannende Antworten bekommen.

Porträt Joachim und Gitta Ermert der töpferei Girmscheid in Höhr-Grenzhausen
Articus und Röttgen Fotografie

Joachim und Gitta Ermert, Inhaber der Töpferei Girmscheid.
Werkstätte für salz­glasiertes Steinzeug in Höhr-Grenzhausen.

Du lebst und arbeitest seit wie viel Jahren in Höhr-Grenzhausen?

Ich bin 1996 zur Arbeitsstätte gezogen, aber in der Keramik bin ich schon seit 1976, auch hier in Höhr-Grenzhausen, beschäftigt.

 

Was hat Dich denn dazu bewegt hierher zu kommen?

Der ausschlaggebende Punkt war die Lehre und damit der erste Kontakt mit Ton bzw. der Keramik. Mein Vater war Schreiner und hatte in einer Töpferei Schreinerarbeiten gefertigt. Somit kam der Kontakt zustande, da diese Töpferei Lehrlinge suchte. Und so ist es gekommen, wie es gekommen ist.

 

Damit hast Du eigentlich fast schon die zweite Frage beantwortet. Wie bist Du zum ersten Mal mit Keramik in Berührung gekommen? Das war wahrscheinlich dieser Kontakt über deinen Vater.

Ja, so ist es.

 

Wo hast Du Deine Ausbildung gemacht?

In der Merkelbach Manufaktur, die es heute leider nicht mehr gibt.

 

Und warum Keramik?

Tja, warum Keramik… ich denke wegen dem handwerklich Künstlerischem. Noch zu Schulzeiten war meine erste Intension Schaufensterdekorateur. Gottseidank bin ich dann in der Keramik hängengeblieben, weil es das Berufsbild des Dekorateurs schon lange nicht mehr gibt.
Es wäre sicherlich auch nicht das Richtige gewesen, ich bin wirklich in die Keramik hineingewachsen und auch dann mit der Keramik verwachsen.

 

Es gab also tendenziell den Wunsch etwas Kreatives zu machen?

Ja, auf jeden Fall.

 

Bist Du Keramiker oder Künstler?

Eher Keramiker. Also eher Handwerker! Ja, es gab zwar immer wieder Ausflüge, einen anderen Weg zu gehen bzw. den ausgetretenen Pfad, den Betriebe wie dieser mit sich bringen, zu verlassen. Jedoch kann ich nicht meine gesamte Kundschaft auf mein Mainsetting bringen. Sie hat eigene Wünsche und die Firma besteht seit über 125 Jahren! Darin ist man auch ein bisschen verhaftet. Aber immer wieder habe ich versucht auszubrechen – sei’s über andere Formen, noch über andere Farben. Doch was den Bereich der Salzglasur so einzigartig macht – du bist gebunden im Salz. Man hat einen Ofen im Betrieb, mit dem salzglasiert wird. Ob man möchte oder nicht, man kann nur Salzglasur herstellen. Ich kann nicht einfach sagen: „Ach, jetzt mache ich mal einen anderen Brand.”

 

Das wär auch komisch, also es würde wahrscheinlich in all den salzglasierten Produkten befremdlich wirken.

Ja! Das ist dann so eingeschliffen, dass sich dein Kosmos nur um die Salzglasur dreht, immer um das technisch Machbare. Innerhalb dessen ist man aber durchaus gewillt, die Grenzen auszutesten, was machbar ist.

Handbemalte Bembel im “rohem” (trockenem) Zustand.

Produktion der Töpferei Girmscheid in Höhr-Grenzhausen

Was bildet den Schwerpunkt Deiner Arbeit, was ist Dir dabei besonders wichtig?

Die Anfänge waren rein produktionstechnisch zu sehen, also das Fertigen mit den Händen. Durch die Töpferei Girmscheid hat sich die Aufgabenstellung erweitert. So ist mehr das Brennen und die Bereitstellung der Farben, die Erweiterung der Farbpalette in den Fokus gerückt. Der Ofen und das Brennen im Allgemeinen nehmen damit einen sehr großen Teil ein. Das ist ja auch das Besondere in jeder Töpferei, die sich mit Salzglasur beschäftigt. Somit steht nicht das Handwerkliche im Vordergrund, die Schlüsselposition ist der Ofen.

 

Wie oft brennt Ihr Euren Ofen?

Zweimal pro Woche… vor Corona… lacht… Ich habe schon die volle Bandbreite mit dieser Firma mitgemacht. Von zwei Öfen am Tag, jeden Tag fünf Mal die Woche…

Irre!

 

Welches Ziel verfolgst Du beruflich?

Ich möchte die Tradition, die die Stadt Höhr-Grenzhausen auf den Weg gebracht hat, weitertragen. Denn wir haben hier wirklich eine einzigartige Struktur von Töpfereien und auch von speziellem Handwerk. Höhr-Grenzhausen ist eine Perle des traditionellen Handwerks, mit dem alles angefangen hat. Ich meine, die Römer haben hier schon keramische Arbeiten umgesetzt und getöpfert. In der keramischen Neuzeit fing es in Grenzau mit Landschenkung an. Diese Töpfer waren übrigens Flüchtlinge – Wirtschaftsflüchtlinge, die damals gezwungen waren außerhalb ihrer väterlichen Betriebe dem Handwerk ihrer Väter nachzugehen und hier in Höhr-Grenzhausen bzw. in Grenzau landeten. Dort haben sie sich aufgrund des hohen Tonvorkommens, weil ihnen der Landgraf Land schenkte und sie auch einige Zeit von der Steuer befreite, niedergelassen.  So ist das gewachsen, was gewachsen ist. Von deren Früchten ernten wir heute noch in der Vielfalt und auch in der Perfektion, die hier im Kannenbäckerland betrieben wird.

 

Da ihr mittlerweile fast einer der letzten Salzbrenner seid oder einer der wenigen traditionellen Werkstätten in Höhr-Grenzhausen, bildet Ihr Lehrlinge aus?

Momentan nicht. Wir haben ausgebildet. Momentan hat sich die Lage nicht so dargestellt.

 

Aber das ist irgendwann ein Thema. Wie gibt man die Tradition und das Wissen der Salzglasur weiter?

Es ist nicht nur ein Thema, das ist das zentrale Thema und es ist sehr vielschichtig. Es liegt zum einen an der Manpower. Zum anderen aber auch an gesetzlichen Vorschriften. Denken wir nur mal an den Standort der Töpfereien. Man würde heute niemals mehr einen Salz-Ofen genehmigt bekommen an den Standorten, an denen  jetzt die Öfen stehen. (Wohngebiete)
Den Wünschen unserer Kunden entsprechend, so sehe ich das bei aller Experimentierfreudigkeit, die auch ich an den Tag gelegt habe, liegt unsere Zukunft in der Vergangenheit. Es ist also nicht der Wunsch der Verbraucher, eine wahnsinnig tolle, experimentelle Salzglasur in 1000 verschiedenen Farben und Formen zu bekommen, sondern traditionelle Ware wie zu Omas Zeiten. Das ist mein Resümee nach den ganzen vielen Jahren, die ich hinter mich gebracht habe.

 

Das ist ein bisschen wie “Es kommt alles wieder”?

Ja, vielleicht in etwas abgewandelter Form. Das war immer schon so. Das heißt aber für mich nicht, dass man immer die gleichen Fehler von damals wiederholen und permanent reproduzieren muss.

 

Das war die Verbrauchersicht. Die Frage ist, was passiert, wenn Ihr irgendwann nicht mehr seid ? Was geschieht mit der Salzglasur?

Darauf wollte ich hinaus, der Markt regelt viel. Und der Markt regelt auch, sagen wir mal die Produktionsmenge, denn wir sind nicht von alleine bezüglich der Beschäftigtenzahl geschrumpft, sondern das hat der Verbraucher durch sein Kaufverhalten vorgegeben.

Produktion der Töpferei Girmscheid in Höhr-Grenzhausen

Rändern eines Bechers mit blauer Smalte.

Wobei ich denke, dass momentan der Trend in der Keramik oder grundsätzlich im Handgemachten tendenziell nach oben geht. Merkt Ihr das auch mit einem traditionellen Produkt?

Das kann ich so bestätigen, mit der Einschränkung, dass es eigentlich nur Gebrauchskeramik betrifft. Das sind die Flaggschiffe wie Brottöpfe, Schüsseln, Einmachtöpfe,  Tassen, Bierkrüge, Bembel  etc. Wir haben auch sehr viel Figürliches, auf Deutsch gesagt „Nippes“ im Salzbrand gefertigt. Das ist so gut wie nicht mehr gefragt… kein Markt mehr da, außer für den Garten.

 

Klar, da hat sich sehr viel verändert, die Klassiker vielleicht weniger. Und dennoch glaube ich bzw. sieht man es, dass wir hier auf dem Land, vergleichsweise zu städtischen Gebieten hinterher hinken. Wir dürfen den Trend nicht verschlafen. Wenn man z.B. Instagram näher betrachtet, sieht man etliches an handwerklich schlecht umgesetzter Keramik, weil die Ausbildung und das Wissen fehlen. Aber diese wird mit großem Erfolg bejubelt, weil es angesagt ist. Dann ist es doch traurig zu sehen, dass hier Profis sitzen, die wir alle auf unterschiedlicher Weise sind und keiner bekommt es mit. Müssen wir Höhr-Grenzhausen nicht mehr in den öffentlichen Fokus rücken, um zu zeigen, dass hier ein riesiges Potenzial steckt?

Das ist für uns sowieso nicht nachvollziehbar. Wir haben z.B. einen Vertriebspartner, der verkauft unsere Produkte im Internet und verkauft die gut. Das hätten wir nie gedacht. Vollkommen konträr zu unserer Einschätzung. Super. Zudem haben wir gedacht, dass sie nach Süddeutschland  und ins benachbarte Ausland gehen, sich also auch international verbreiten.  Doch viele Stücke verkauft er  auch in Gebieten mit einer fünfer Postleitzahl, also vor der Haustür. Das wiederum ist aber auch dem Marketing geschuldet. Profifotograf, Profiunterlagen, richtig viel Arbeit in die Präsentation gesteckt, in den Aufbau des Shops, beim implizieren der Marke. Da wurden die Hausaufgaben gemacht und ja, dann geht’s.

 

Wir liegen hinter unseren Möglichkeiten. Auch viele Menschen Vorort wissen nicht, was es hier gibt.

So ist es immer noch. Wir haben heute noch Leute, die hier wohnen. Girmscheid? Noch nie gehört… lacht… es sind weniger geworden… aber anfangs waren das sehr viele.

 

Marketing ist ein Job für sich, das muss man auch sehen. Andere gehen dafür studieren.

Auch abendfüllend, vor allen Dingen permanent am Ball bleiben zu müssen. Das ist der große Vorteil in so einem traditionellen Handwerk, da musst du nicht alle fünf Jahre die Welt neu erfinden. Zumindest technisch nicht…

 

Was machst Du am liebsten und welcher Arbeitsabschnitt hat für Dich die größte Bedeutung. Das haben wir jetzt vielleicht auch schon ein bisschen beantwortet, wie ich herausgehört habe, ist es das Brennen mit Salz?

Ja, aber zugegebenermaßen drehe ich auch sehr gerne. Es gibt ein Lieblingsstück, das ich sehr gerne drehe und vor allen Dingen immer dann, wenn Leute zuschauen. Wir sind eine offene Töpferei und haben normalerweise sehr viele Besuchergruppen. Immer wenn wir eine Busgruppe zwischen 40 und 50 Personen zu Besuch haben, dann werden diese hier in der Töpferei in zwei Gruppen aufgeteilt. Das heißt, ich drehe jeweils zwei Gefäße zum Zuschauen, so dass sich die Herrschaften ein Bild machen können. Zuerst ist es immer ein Bembel. Dann lasse ich raten, was sie sehen, was es sein könnte. Zu 95 Prozent höre ich Schüssel, Milchtopf, Bodenvase und alles Mögliche… aber Bembel? Das höre ich nie! Ich frage: „Wo sind wir denn hier? Im Kannenbäckerland – was liegt denn da nahe?” Lacht…

Danach drehe ich eine Wellenrandschale. Das ist eine sehr flache Schale. Bei diesen flachen Schalen erzielt man in der Besuchergruppe diesen Aha – Effekt. Man verändert extrem die Form und das zeigt das Kreativitätspotenzial des Tons, des Materials. Man bricht den Hubel auf und innerhalb von wenigen Sekunden vollzieht sich eine Volumenvergrößerung von 500 Prozent, ebenso eine exorbitante Richtungsveränderung. Es passiert unglaublich viel in ganz kurzer Zeit! Dann sind immer alle baff… lacht.
An diese offene Schale setze ich noch mit ein paar Fingerbewegungen einen Wellenrand, dann habe ich die volle Aufmerksamkeit!

Produktionsstraße für handgegossene Waren.

Produktion der Töpferei Girmscheid in Höhr-Grenzhausen

Was machst Du nicht so gerne?

Ofenreparatur.

 

Die ist in einem Salzofen wahrscheinlich regelmäßig nötig?

Ja, sie ist Knochenarbeit und macht keinen Spaß! Aber das ist eben so. Das ist mir zu sehr im Maurer Handwerk verhaftet – ich wäre alles geworden, aber kein Bauhandwerker. Das ist nix für mich. Aber wie schon gesagt, notgedrungen gehört es dazu.

 

Was ist Dein wichtigstes Werkzeug und was benutzt Du am häufigsten?

Da muss ich immer sagen, den Spruch habe ich auch in der Werkstatt hängen: Wenn der Töpfer nach seinem wichtigsten Werkzeug gefragt wird, schaut er zuerst auf seine Hände.

 

Die nächste Frage ist ein bisschen schwierig zu beantworten. Wie lange arbeitest Du an einem Stück? Als Keramiker weiß man natürlich, dass man selten konstant an nur einem Stück arbeitet.

Ich sag mal so: Es ist manchmal schöner, an einem Stück aufwendig und lange zu arbeiten. Die Herausforderung ist groß, aber das Risiko ist auch sehr groß, man hat alles investiert. Beim Brennen kommt es dann auf einen Punkt an – Hopp oder Topp. Auf der anderen Seite ist es auch eine große Herausforderung, viele Stücke zu fertigen. Bei einem großen Auftrag ergibt sich eine größere Streuung. Es ist auch eine mächtige Aufgabe  z.B. 5000 Bierkrüge zu machen. Dabei passieren immer wieder Kleinigkeiten, aber das ändert nicht so eklatant etwas am Endergebnis. Also herausfordernder ist ein komplexes Stück, im Vergleich zu 5000 kleinen Stücken.

 

Ist es nicht für einen Dreher auch ein sehr befriedigen Gefühl, wenn er am Ende des Tages einen vollen Wagen vor sich stehen hat? Man denkt ja im Geschirrbereich nicht in einer Tasse, sondern in Brettern mit Tassen.

Wir denken sowieso immer nur in Öfen, drei Wagen sind ein Ofen… lacht

 

Bei wieviel Grad brennst Du deine Stücke?

Segerkegel 5a

 

So, jetzt sag´ mal den Lesern, aber auch mir Keramikerin,  noch eine Temperatur dazu.

1220°C

Über eine Vorrichtung wird frischer Ton in Gipsformen eingedreht.

Produktion der Töpferei Girmscheid in Höhr-Grenzhausen

Warum sollte jemand Deine Keramik kaufen?

Ja, gute Frage. Er sollte sie dann kaufen, wenn sie ihm gefällt. Da gelten die Regeln der freien Marktwirtschaft – Nachfrage bestimmt das Angebot.

 

Was treibt Dich zu neuen Ideen an?

Mit offenen Augen durch die Welt gehen. Die Beispiele sind enorm und unsere größten verkaufstechnischen Erfolge haben wir alle durch Inspiration von außen bekommen.

 

Vielleicht auch, wie Du schon sagtest, durch Deine Kundschaft, die irgendwo mitbestimmend ist bzw. die Nachfrage bestimmt. Das kann ja durchaus auch Impulse geben.

Nee, eigentlich nicht.

 

Ah, doch eher durch persönliche Eindrücke oder Begegnungen?

Ja, durch Messebesuche, durch Märkte oder sonstige Zufälle. Man sieht etwas und sagt, das könnte für uns interessant sein. Oft wandeln wir das natürlich auf unsere Bedürfnisse ab, dann passt das.

 

Kannst Du davon leben?

Ja! Müssen… lacht
Aber mit der Einschränkung: “Jammern gehört ja fast zum Handwerk.“ … doch  letztendlich muss man sagen, können wir hiermit ein erfülltes Leben führen. Wir haben Arbeitsplätze geschaffen und haben sie weitestgehend erhalten. Wir haben unseren beiden Kindern eine exzellente Ausbildung ermöglichen können, daher bin ich sehr dankbar.

 

Was macht für Dich gute Keramik aus?

Zuallererst eine hohe Gebrauchsfähigkeit, hier dringt der Handwerker vom Salz-Betrieb durch. Dabei muss  sie aber auch noch schön aussehen, ich meine handwerklich, künstlerisch ansprechen und nicht ganz so profan wirken. Die Ästhetik sollte ebenso eine große Rolle spielen wie die Funktion.

 

Könntest Du Dir vorstellen, etwas anderes zu machen und wenn was?

Ja, das kann ich mir vorstellen, das wäre auch wieder im Gestaltungsbereich. Zum Beispiel Gestaltung von Layouts, grafischen Designs. Als ich damals hier angefangen habe,  hatten wir im Haus noch ein Reprostudio mit Grafikern. Es mussten Schriften und Logos  gesetzt werden. Das machen wir heute noch selbst, meine Mädchen zeichnen das, ich scanne es ein und mache so die komplette Vorarbeit. Bevor wir die Klischees bekommen oder von Hand eine Pause machen, erarbeite ich diese grafisch am PC. Das liegt mir, da kann ich mich sehen, das mache ich einfach gern.

 

Das kann ich nachvollziehen. Aber würde man den letzten Schritt wirklich gehen? Wenn man zudem wahrscheinlich vom Regen in die Traufe kommt?

Auch da ist wieder das Alltagsgeschäft eine reine Knochenarbeit. Ich habe mal für einen Freund ein Etikett für ein Bier bzw. eine Bierflasche entworfen. Jedoch gibt es bestimmte Vorgaben, die man einzuhalten hat. Die Banderole musste z.B. ein gewisses Format erhalten, da gab es also auch Grenzen. Ich war vor Ort, ich habe mir auch ein bisschen Hilfe geholt, da ich nicht weiter kam und und und.  Schließlich hab ich’s fertig gestellt und es ist in Druck gegangen. Das hat richtig Spaß gemacht. Aber das war eine sehr zeitintensive Aufgabe, daran habe ich lange gesessen… der Freund sagte immer: perfekt, aber bitte die und die Änderungen noch…

 

Wo findet man Deine Keramik?

Also zum einen in tausenden von Wohnzimmern und Küchen – da findet man sie auf alle Fälle. Im gut sortierten Fachhandel in Bamberg, Nürnberg, München, Frankfurt. Auch in guten Häusern in München, direkt am Viktualienmarkt, in Glas- und Porzellangeschäften oder in hochwertigen Souvenirshops.

 

Das ist ein anderer Vertriebsweg, wie der vieler Werkstätten. Die meisten gehen hauptsächlich auf Keramikmärkte oder beteiligen sich an Ausstellungen. Dieser Zwischenhandel findet eher selten statt, vielleicht mal hier und da in der ein oder anderen Galerie.

Ja, wir haben aber auch Direktkunden wie Firmen oder Vereine, die Keramik mit ihrem Logo wünschen. Zudem haben wir viele amerikanische Kunden, sie bestellen Keramiken mit Armee-Emblemen. Aber wir fertigen immer unsere Krugform mit Salzglasur. Die Embleme sind zum Teil farbig ausgelegt, immer handgeschrieben und mit dem Dienstgrad sowie dem kompletten Namen versehen. Sozusagen personalisiert. Das ist seit vielen Jahren ein sehr erfolgreiches Standbein, erfährt eine große Wertschätzung. . Es findet keine Preistreiberei statt, es wird auf Augenhöhe verhandelt. Ein großer Vorteil ist, dass “der Amerikaner” gerne empfiehlt und unsere Adresse weitergibt. Sie sind zwei Jahre hier, sie waren zufrieden und empfehlen uns an die Nächsten.

 

Mund zu Mundpropaganda ist natürlich die beste Werbung!

Wenn ich etwas empfehle, oder du in deinem Bekanntenkreis, dann stellt das einen sehr starken Filter dar. Du gibst nichts weiter, womit du ein schlechtes Gefühl hattest. Darüber redet man nicht.

 

Wir kommen zur letzten Frage: Was bedeutet der Standort Höhr-Grenzhausen für Dich?

Höhr-Grenzhausen ist, wie man so schön sagt, die halbe Miete. Ich glaube ganz fest, dass viele Möglichkeiten anders wären und zum Teil auch deutlich schwerer, wenn sie eben nicht über den Standort Höhr-Grenzhausen gehen würden. Da meine ich nicht, dass das an der Versandadresse liegt. Ich meine, es ist eben dieses Umfeld, was die Sache so wertig macht.

 

Als Keramikstadt, als gewachsene Struktur?

Auch. Nennen wir ein Beispiel: Man hat hier eine Töpferei und möchte Zubehör kaufen. Dazu muss man Höhr-Grenzhausen nicht verlassen, man erhält alles vor Ort: vom Ofenbau, Brennhilfsmittel,  über Glasuren bis zum Ton.

Es ist auch schön Kollegen zu haben, die man empfehlen kann. Nicht jeder mag Salzglasur, da kann man sagen: „Schauen Sie doch mal in´s Kasino oder gehen Sie in die Brunnenstraße,  in die Kleine Emserstraße oder  in die Bergstraße…“  jeder hat verschiedene Vorlieben. Und wenn man mehr über historische Keramik erfahren möchte, geht man einfach hier ins Museum. Es ist alles da!